Zeit für Plan B

4. März 2009, 19:11
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Die rechtliche Bewertung des Skiunfalls, bei dem ein Mensch ums Leben kam, ist nur ein Aspekt der Tragödie - Von Birgit Baumann

Kurzer Prozess plus schnelles Urteil ergibt Vorteil im Wahlkampf. An diese vermeintlich beruhigende Rechnung klammern sich Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus und die Thüringer CDU. Doch nun hinterlassen die Umstände einen derart schalen Nachgeschmack, dass das Urteil für den Politiker zum Bumerang wird. Wollte sich da einer schnell freikaufen? Hat sich die österreichische Justiz zur Handlangerin gemacht? Es gibt in einem anlaufenden Wahlkampf angenehmere Fragen an den Spitzenkandidaten als diese, die ganz Deutschland diskutiert.

Doch die rechtliche Bewertung des Skiunfalls, bei dem ein Mensch ums Leben kam, ist ohnehin nur ein Aspekt der Tragödie. Zwar ist der Prozess (noch vor Anlaufen der heißen Wahlkampfphase) überstanden, doch es bleiben weitere quälende Fragen - die nach dem Gesundheitszustand von Althaus und nach seinem persönlichen Schuldgefühl.

Niemand kann absehen, wie lange seine körperliche Genesung noch dauert und ob er den stressigen Job eines Spitzenpolitikers überhaupt je wieder auszuüben vermag.

Die schwierigste Gratwanderung jedoch muss Althaus allein, ohne Ärzte und Parteifreunde, absolvieren. Er muss sich fragen, ob jemand, der den Tod eines Menschen zu verantworten hat, den hohen moralischen Ansprüchen genügt, die er selbst an ein Regierungsamt stellt. Ob er weitermachen kann, als sei nichts passiert. Es gibt nur einen Plan A wie Althaus, verkündet die Thüringer CDU gleich einem Mantra. Jetzt wird es Zeit, an Plan B zu denken. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2009)

 

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