"Evolution als Beweis für Gottes Nicht-Existenz ist absurd"

3. März 2009, 17:40
254 Postings

Konferenz im Vatikan zum 200. Geburtstag von Charles Darwin - Dawkins' These vom Präfekt der Glaubenskongregation zurückgewiesen

Rom - Im Vatikan hat am Dienstag eine fünftägige Konferenz über die Evolutionstheorie des vor 200 Jahren geborenen Charles Darwin begonnen. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, wies zu diesem Anlass die These des Biologen und Atheismusaktivisten Richard Dawkins als "absurd" zurück, die Evolution beweise, dass es keinen Gott gebe.

Die katholische Kirche sei vielmehr der Ansicht, es gebe ein "breites Spektrum", das den Glauben an eine wissenschaftliche Basis für die Evolutionstheorie mit dem Glauben an den Schöpfergott verbinde, erklärte der US-Kardinal. Die Tagung mit dem Titel "Biologische Evolution: Fakten und Theorien" zielt auf eine Versöhnung von Schöpfungs- und Evolutionslehre. Dabei dürfe man die Schöpfungslehre nicht zur naturwissenschaftlichen Theorie ummünzen und die Evolutionslehre nicht auf ein Dogma reduzieren, hieß es. Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft des Päpstlichen Kulturrates und seines Präsidenten, Erzbischof Gianfranco Ravasi.

"Nicht von vorneherein unvereinbar"

Ravasi hatte bei der Ankündigung des Darwin-Kongresses in Rom im vergangenen Jahr klargemacht, dass für die katholische Kirche Darwins Evolutionstheorie "nicht von vorneherein unvereinbar mit der Lehre der katholischen Kirche und mit der Botschaft der Bibel" sei. Im Gegensatz zu vielen protestantischen Christen habe die katholische Kirche Darwin oder sein Werk "Die Entstehung der Arten" auch nie verurteilt oder auf einen Index gesetzt. Theologie und Wissenschaft beackerten selbstverständlich unterschiedliches Terrain, so Ravasi.

Bis Samstag erörtern Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen nach Angaben von Kathpress naturwissenschaftliche und theologische Fragen im Hinblick auf Darwins Hauptwerk "Die Entstehung der Arten" ("On the Origin of Species"), das vor 150 Jahren erschienen ist. Unter den drei Dutzend Referenten sind der Schweizer Medizin-Nobelpreisträger Werner Arber, der frühere Theologe des Päpstlichen Hauses, Kardinal Georges Cottier, und der deutsche Wissenschaftsphilosoph Jürgen Mittelstraß. Zum Ehrenkomitee zählt auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn.

Organisiert wird die Konferenz von der Päpstlichen Universität Gregoriana und der katholischen Universität Notre Dame in South Bend (USA) im Rahmen des Programms STOQ (Science, Theology and Ontological Quest). Durch dieses 2003 aufgenommene Programm soll das interdisziplinäre Gespräch zwischen Naturwissenschaft, Theologie und Philosophie gefördert werden. (APA/AP/dpa/red)

Share if you care.