"Lehrer sind total erbost"

3. März 2009, 16:48
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Die Pflichtschullehrer werden am 12. oder am 16. März die Schüler am Vormittag nach Hause schicken, um zu Mittag Dienststellenversammlungen abzuhalten

Auch in den anderen Lehrergruppen ist der Streikwille sehr hoch.

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Wien - Das Lehrer-Barometer steht auf Sturm, und das heißt: Die Stimmungslage geht in Richtung Streik. So viel war am Dienstag schon vor dem Treffen der fünf Lehrer-Sektionen in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) in Wien klar. Die Pflichtschullehrer schafften dann auch als Erste noch vor dem offiziellen Termin am Nachmittag Fakten. Sie werden, je nach Fristenlauf, kommenden Donnerstag (12. März) oder am Montag, dem 16. März, zu Mittag Dienststellenversammlungen abhalten. Für die Schüler bedeutet das: schulfrei ab 11.00 oder 12.00 Uhr. "Die Kollegen warten darauf, über die Angelegenheit informiert zu werden, und auch, sich artikulieren und ihre Erwartungen an uns formulieren zu können", sagte der Chef der Pflichtschullehrer, Walter Riegler.

"Die Angelegenheit" ist der Plan von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden auszuweiten. Ohne mehr Geld, kritisieren die Lehrer. Aber auch ohne Rücknahme der Schulreformen, sagt die Ministerin.

"Reines Dagegensein"

Zum gewerkschaftlichen "Koordinierungstreffen" brachten die Vertreter der Lehrer in Pflichtschulen, Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS), Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS), Berufsschulen und Landwirtschaftsschulen gehörige Wut der von ihnen Vertretenen mit, bevor es am Abend zu einem ersten Gespräch mit der Ministerin ging.

Die hatte die Streikdrohungen der Lehrer am Vormittag "überzogen" und "unangebracht" genannt: "Für reines Dagegensein gibt es kein Verständnis." Trotzdem war sie optimistisch und wollte den Gewerkschaftern ihre Beweggründe für den umstrittenen Plan erklären.

Das dürfte schwierig bis unmöglich werden - "und nicht gerade sehr locker" , sagte AHS-Lehrergewerkschafterin Eva Scholik im Gespräch mit dem Standard. "Die Lehrer sind total erbost und fordern Streik. Wenn die Ministerin auf ihrem Beschluss beharrt, wird das sehr harte Auseinandersetzungen zur Folge haben." In einem ersten Schritt würden die Teilgewerkschaften jetzt "eine gemeinsame Vorgehensweise festlegen, die dann in den einzelnen Bundesgremien beschlossen werden muss".

Auf die erste Eskalationsstufe in der gewerkschaftlichen Streiklogik könne sich Schmied schon einstellen, kündigte der Vorsitzende der Berufsschullehrergewerkschaft, Albert Arzt, im Standard-Gespräch an: "Dienststellenversammlungen wird es sowieso geben müssen, weil die Ministerin bis jetzt alle ihre Informationen ja nur über die Medien übermittelt hat." Auch er berichtet von einer "Streikbereitschaft, die noch nie so hoch war wie jetzt. Es gibt eine unendliche Wut. Die Lehrer fühlen sich völlig missachtet. Wir waren über Jahre viel zu gutmütig."

So hätten die Berufsschullehrer "eine Menge an zusätzlichen Aufgaben bekommen, aber praktisch keine Unterstützung durch das Ministerium" . Etwa für die "Lehre mit Matura" oder die integrative Ausbildung von benachteiligten oder irgendwie gehandicapten Jugendlichen, sagt der Gewerkschafter.

Scholik will von Schmied einen "Gesamtbildungsplan einfordern" , denn: "Es kann nicht sein, dass wir die zwei Steckenpferde der Ministerin - Neue Mittelschule und Zentralmatura - durch erhöhte Arbeitsleistung finanzieren müssen." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 4.3.2009)

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