Auch Kindergärten der Erzdiözese sollen gratis werden

3. März 2009, 13:28
11 Postings

Kirchliche Erhalter fordern: "Man muss auch über Kostenwahrheit reden" - FPÖ-Chef Strache gegen Benachteiligung von Tagesmüttern

Wien - Nicht nur die städtischen, auch die privaten Kindergärten - genaugenommen jene mit Öffentlichkeitsrecht - sollen in Wien gratis werden. Die Wiener SP-Stadtregierung hat Gespräche mit den Betreibern angekündigt. Doch diese sind zum Teil skeptisch, ob sie ihre Leistungen tatsächlich kostenlos anbieten können. Das betrifft etwa die kirchlichen Einrichtungen. Grundsätzlich möchten aber auch diese künftig ihre Leistungen gratis anbieten, hieß es heute.

Vergleich mit öffentlichen Kindergärten schwierig

Ob der von der Stadt in Aussicht gestellte Betrag dazu reicht, ist jedoch offen. "Mir ist es ein Anliegen, dass auch die katholischen Kindergärten kostenlos werden", sagte Elmar Walter, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Erhalter kirchlicher Kindertagesheime in der Erzdiözese Wien am Dienstag im Gespräch mit der APA. Wobei ein Vergleich zwischen öffentlichen und privaten Kindergärten schwierig sei.

226 Euro sind nur Betriebskosten

"Man muss über Kostenwahrheit reden", so Walter. Denn jene 226 Euro, die die Eltern für einen öffentlichen Platz aufbringen müssen, umfassen laut Walter nur die reinen Betriebskosten. Alle weiteren Kosten seien von den Erhaltern oder der Diözese zu tragen. Das führe dazu, dass manche kirchlichen Kindergärten von den Eltern mehr verlangen als die öffentlichen.

Da die Stadt aber zumindest bisher angekündigt hat, höchstens die 226 Euro zu ersetzen, würden diese Kindergärten auch weiter Beiträge verlangen müssen, hieß es. "Wenn die Stadt möchte, dass auch die Privaten gratis werden, muss man über die 226 Euro sprechen", so Walter. Er hoffe jedenfalls auf eine "faire Lösung".

11.000 Kinder in kirchlichen Betreuungseinrichtungen

Laut seinen Angaben ist die Erzdiözese hinter den öffentlichen Einrichtungen der größte Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien. Derzeit sind etwa 11.000 Kinder in rund 150 Betreuungsstandorten untergebracht - darunter etwa 100 Pfarrkindertagesheime, 20 Ordenskindergärten und 30 Vereinskindertagesheime.

Der Katholische Familienverband der Erzdiözese begrüßte am Dienstag die Einführung des Gratiskindergartens in Wien, verwies aber auf "weitere notwendige Schritte". Auch andere Betreuungsformen wie etwa Tagesmütter oder -väter müssten gefördert werden, hieß es in einer Aussendung. Familienähnliche Betreuungseinrichtungen werden demnach immer beliebter - etwa der "Oma-Dienst" des Familienverbandes.

Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte eine Einbeziehung anderer Arten der Kinderbetreuungen. Er warnte in einer Aussendung davor, "die Tagesmütter bei dieser Diskussion auszusparen". Diese würden wertvolle Arbeit im Kinderbetreuungssystem leisten und dürften gegenüber anderen Betreuungsformen nicht benachteiligt werden. (APA)

Share if you care.