Vulgarisierung

2. März 2009, 19:17
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Mit Gerhard Dörfler werden wir noch eine ziemliche Hetz' haben - im Doppelsinn dieses Altwiener Ausdrucks

Mit Gerhard Dörfler werden wir noch eine ziemliche Hetz' haben - im Doppelsinn dieses Altwiener Ausdrucks, der zunächst Tierhetzen meinte, bei denen Hunde und Stiere aufeinandergehetzt wurden; dann aber zum Begriff für meist grölenden Spaß wurde. Der Landeshauptmann der Negerwitze und der Faschingsfotos, wo er an den Stoffbrüsten eines als Negermammy verkleideten Kärntner Humorbolzens zu saugen versucht, ist gut für weitere Variationen des Themas: "Welche Leute in einem südlichen Bundesland mit fast 46 Prozent gewählt werden".

Der Mann ist insoferne authentisch, als er ganz offensichtlich wirklich nichts an Scherzen findet, für die man beim Neujahrstreffen des Heiterkeitsklubs pensionierter Klofrauen mit dem nassen Fetzen davongejagt würde. Insofern ist er das zugleich prägnanteste und deprimierendste Symbol der Vulgarisierung nicht nur in der Politik, sondern fast im gesamten öffentlichen Leben. Wer sich eine Minute Rechenschaft gibt über das, was inzwischen alles "geht", wird zu dem Schluss kommen, dass es so viel gibt, wofür man sich fremdschämen muss, dass man für einen Dörfler schon keine Kapazität mehr hat.(Hans Rauscher/DER STANDARD Printausgabe, 3. März 2009)

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