Spitzenforscher üben massive Kritik am KV

2. März 2009, 12:59
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Wittgenstein- und Start-Preisträger sorgen sich um Nachwuchs: "Gravierender Rückschritt und Katastrophe für Unis"

Wien - Kurz bevor der seit langem ausverhandelte Uni-Kollektivvertrag in Kraft treten soll melden sich nun Spitzenforscher mit massiver Kritik an dem zwischen Universitäten und Gewerkschaft vereinbarten Regelwerk. In der APA vorliegenden Briefen an die Rektoren zeigen sich die Träger der zwei renommiertesten Wissenschaftsauszeichnungen in Österreich, des Wittgenstein- und des Start-Preises, vor allem besorgt um die Zukunft und Möglichkeiten der jungen Nachwuchswissenschafter in Österreich.

"'Hauskarrieren"

Die Wittgensteinpreisträger befürchten durch das neue Karrieremodell "'Hauskarrieren' von der 'Inskription bis zur Bahre' als das einzig erstrebenswerte Karrieremodell der Wissenschaft". Das wäre ein "gravierender Rückschritt, schlichtweg eine Katastrophe für die Universitäten, die Lehre und die Wissenschaft in Österreich". Karrieren müssten planbar sein und eine Perspektive haben, so der Physiker Jörg Schmiedmayer, Sprecher der Wittgensteinpreisträger. Dies funktioniere aber nur, wenn das System offen bleibe, Bewegung und Wettbewerb zulasse. "Auslandserfahrung darf nicht nur noch sekundär sein; ganz im Gegenteil, Bewährung im Ausland sollte Voraussetzung für eine Karrieremöglichkeit sein."

Die Spitzenforscher appellieren an die Rektoren, "durch Offenheit, Qualität und Wettbewerb die Karrieremöglichkeiten junger Wissenschafter zu sichern und diese nicht durch die Taschenträger- und Hauskarrierenmentalität für lange Sicht zu verbauen". Im Rahmen der Autonomie müsse den Universitäten, Fakultäten, Fachbereichen, Wissenschaftszentren usw. die Möglichkeit erhalten werden, die Karrieremöglichkeiten ihrer jungen Wissenschafter selbst zu gestalten.

"Kollektivvertrag so nicht in Kraft setzen"

Die Start-Preisträger ersuchen in ihrem Brief "dringend, den Kollektivvertrag so nicht in Kraft zu setzen". Was im KV als "typische Karriere" beschrieben werde, sei eine "kontraproduktive Karikatur des international üblichen 'tenure track'-Systems". International dürfe niemand nach dem Diplom gleich nahtlos am gleichen Institut quasi-permanent werden, "potenziell definitive Anstellungen am selben Institut ab Diplom sind ein schwerer Systemfehler", betonen die mit dem Start-Preis ausgezeichneten hervorragenden Nachwuchswissenschafter.

Die Universitätenkonferenz (uniko) berät heute, Montag, in Salzburg, ob sie angesichts des vom Bund in Aussicht gestellten Uni-Budgets Grünes Licht für die Finanzierung des KV gibt. Gleichzeitig findet eine Sitzung der Hochschul-Gewerkschafter und Uni-Betriebsräte in statt. Sollten die Rektoren der Finanzierung des KV nicht zustimmen, drohen die Personalvertreter mit "gewerkschaftlichen Maßnahmen".

Bereits 2003 haben die Verhandlungen für den Uni-KV begonnen, 2007 einigten sich der "Dachverband der Universitäten" als Arbeitgebervertretung und die Gewerkschaft auf das Regelwerk, dessen Eckpunkte ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung sind. (APA)

 

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