Milosevics Geheimdienstchef war CIA-Mitarbeiter

2. März 2009, 11:39
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US-Geheimdienst wies UN-Tribunal auf "nützliche Rolle" des wegen Kriegsverbrechen angeklagten Jovica Stanisic hin

Belgrad - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Ex-Chef des serbischen Geheimdienstes SDB (Staatssicherheitsdienst), Jovica Stanisic (58), sei in den 90er Jahren acht Jahre lang der "wichtigste Mann der CIA in Belgrad" gewesen, berichtete am Sonntag die kalifornische Tageszeitung "Los Angeles Times". Dem Blatt zufolge habe der US-Geheimdienst CIA in einem Dokument an das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen für Ex-Jugoslawien (ICTY), wo seit April 2008 ein Gerichtsverfahren gegen Stanisic läuft, auf die "nützliche Rolle" des Haager Angeklagten hingewiesen.

Stanisic hat sich vor dem Haager Gericht wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu verteidigen. Gemäß dem Bericht des kalifornischen Blattes, das großes Aufsehen in Serbien auslöste, sei die CIA-Zusammenarbeit mit einem Treffen mit dem CIA-Agenten Willian Longfren 1992 in Belgrad aufgenommen worden. Stanisic soll dem CIA-Agenten damals die Pläne der von serbischen Firmen im Irak für den Staatschef Saddam Hussein gebauten Bunker überreicht haben. Im Mai und Juni 1995 führte Stanisic in der Hochburg der bosnischen Serben Pale auch die Verhandlungen über die Freilassung von 388 von bosnisch-serbischen Truppen gehaltenen UNO-Geiseln.

Im Dezember 1995 soll Stanisic der CIA bei der Errichtung von geheimen Stützpunkten in Bosnien zur Überwachung des Waffenstillstandes behilflich gewesen sein. Im Februar 1996 wurde erc zu einem Besuch in der CIA-Zentrale in Langley vom damaligen Direktor des US-Geheimdienstes John Deutch und seinem Stellvertreter George Tenet empfangen. Im Juli 1996 sei der SDB-Chef mit der Aufgabe beauftragt worden, den damaligen bosnisch-serbischen Radovan Karadzic bei einem Treffen in Pale zur Rücktritt zu bewegen, berichtete "Los Angeles Times".

Vom jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic wurde Stanisic im Laufe der Kosovo-Krise im Oktober 1998 entlassen. Der "Verdacht zu enger Kontakte zur CIA" soll gemäß "Los Angeles Times" ausschlaggebend gewesen sein.

Das Gerichtsverfahren vor dem UNO-Tribunal gegen Stanisic und seinen ehemaligen Vize, Franko Simatovic, wurde wegen schwerer Gesundheitsprobleme von Stanisic, der seit Jahren an einer Darmerkrankung leidet, im Mai vorübergehend unterbrochen und ist bis dato nicht wieder aufgenommen worden. (APA)

 

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