Was Einsteiger vom Job wollen

27. Februar 2009, 16:55
22 Postings

Mit welchen Ansprüchen gehen Studierende jetzt in den Arbeitsmarkt? Geht es eher um Wertschätzung oder doch um Geld? Antworten von Einsteigern, Unternehmen und Personalberatern

"Das Gehalt ist wichtig, aber noch wichtiger sind Lob und Anerkennung vom Vorgesetzten", sagt Martina Bayer. "Wenn die Wertschätzung für meine Arbeit fehlt, wäre das ein Grund für mich, den Job zu wechseln." Martina Bayer ist Studierende des berufsbegleitenden Studiengangs Technisches Projekt- und Prozessmanagements an der FH Campus Wien und wird gemeinsam mit anderen Studierenden, einem Personalmanager und einem Unternehmensberater bei der Berufsinformationsmesse BeSt darüber diskutieren, was sich Berufseinsteiger vom künftigen Job erwarten, wie die Arbeitgeber diese Ansprüche erfüllen können und worauf es gerade jetzt ankommt.

Lieber mutig als brav

Dass Gehalt nicht das Einzige ist, was junge, gutausgebildete Jobeinsteiger motiviert, kann auch Christian Raitmayr, Personalmanager CEE bei SMC Pneumatik unterstreichen. "Im Gegenteil: Jobeinsteiger sind bei ihren Gehaltsforderungen sogar eher zurückhaltend", so seine Erfahrung. Dafür werde verstärkt und mutig schon im Vorstellungsgespräch nach Entwicklungsmöglichkeiten sowie nach flexiblen Rahmenbedingungen für eine ausgewogene Work-Life-Balance gefragt.
Gerade hier sieht Kurt Durnwalder, Geschäftsführer der ITO Personalberatung, noch Verbesserungspotenzial sowohl für Bewerber als auch für die Unternehmen. Junge Arbeitnehmer könnten ruhig selbstbewusster auftreten und mutiger sein. Häufig werde Integration mit Anpassung verwechselt, kritisiert Durnwalder. "Und wenn in einem Unternehmen nur brave, angepasste Mitarbeiter beschäftigt sind, hat das Unternehmen ein Problem", ist er überzeugt.

"Forderungen stellen"

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnten sich Jobsuchende trauen, Forderungen zu stellen, abgesehen von übertrieben hohen Gehältern, meint Durnwalder. "Von Unternehmen werden Persönlichkeiten gesucht, die auch außerhalb der Standardausbildung etwas vorweisen können. Der Eindruck, käuflich zu sein, ist dafür jedenfalls das falsche Signal", so Durnwalder.
Matthias Kendlbacher, Student des Bauingenieurwesens, würde für ein höheres Gehalt nicht alles machen. "Was habe ich davon, wenn ich zwar viel Geld verdiene, aber dafür kaum Zeit für meine Familie habe oder unglücklich mit meinem beruflichen Umfeld bin?" Für ihn ist Mitarbeitermotivation die wichtigste Erwartung, die er an seinen zukünftigen Vorgesetzten stellt. "Wenn mein künftiger Chef mir nicht sagen kann, warum ich etwas machen soll, wenn er seine Begeisterung für eine Sache nicht weitergeben kann, wird es für mich schwierig", so Kendlbacher.

Abwechslung als Karriereweg

Im Sozialbereich werden ohnehin keine hohen Gehälter bezahlt, da müsse man schon froh sein, überhaupt einen Vollzeitjob zu bekommen, meint die Studentin der Sozialen Arbeit, Elisabeth Hirschlehner. "Aber bessere Verdienstmöglichkeiten waren nicht der Grund für meine Studium", so Hirschlehner. "Vielmehr habe ich das Studium gewählt, um meinen späteren Beruf kompetenter ausüben zu können." Dafür erwartet sie sich von ihrem künftigen Arbeitgeber ein gutes Arbeitsklima, das Teamarbeit zulässt und genügend Freiräume für Eigeninitiativen bietet. "Wenn ich nicht ausreichend Zeit habe, um auf die Bedürfnisse meiner Klienten eingehen zu können, macht für mich Sozialarbeit keinen Sinn", so Hirschlehner. Abwechslung und weniger der Weg nach oben sollen ihren Karriereweg bestimmen. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 28.2./1.3.2009)

Hinweis

Podiumsdiskussion FH Campus Wien:

"Was erwarte ich mir von meinem Job"

6. März, 13:20 Uhr auf der Berufsinformationsmesse BeSt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Berufsleben ist für viele Einsteiger nicht das Geld der wichtigste Wegweiser

Share if you care.