Erdbeeren aus Marokko

2. März 2009, 11:34
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"Konsument" kritisiert zu lange Transportwege der Lebensmittel in Österreich

Wien - Die Zeitschrift "Konsument" bemängelte vergangene Woche die unnötig langen Transportstrecken für Gemüse- und Obstsorten in den heimischen Supermärkten. "Die langen Wege mindern die Qualität der angebotenen Produkte und verschlechtern die Klimabilanz", sagte die "Konsument"-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Rahmen einer Pressekonferenz. Außerdem lasse die Herkunfts-Kennzeichnung die VerbraucherInnen oft ratlos zurück.

Im vergangenen Jahr und im Jänner 2009 haben die Konsumentenschützer geprüft, wie es um die Herkunft der Produkte in den österreichischen Supermarktregalen bestellt ist. Dabei wurden Filialen der Ketten Adeg, Billa, Hofer, Lidl, Merkur, Penny, Spar und Zielpunkt genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Knoblauch aus China, Äpfel und Birnen aus Südafrika oder Zuckererbsen aus Kenia sind offenbar keine Seltenheit. Besonders die bei Lidl angebotenen Produkte würden durch ihre weite Anreise ins Auge stechen.

Außerhalb der Saison

Beck betonte zwar, dass manche Obst- und Gemüsesorten, die hierzulande produziert werden, für den Konsumbedarf nicht ausreichen, oder zu Zeiten angeboten werden, zu denen sie in Österreich keine Saison haben. "Aber es gibt sicher näher gelegene Bezugsquellen für Äpfel und Birnen als Südamerika, Australien oder China." Und außerdem, so die Ernährungswissenschafterin, sei saisongerechter Einkauf weitaus umweltbewusster und vielfach auch gesünder für die VerbraucherInnen, als beispielsweise Erdbeeren aus Marokko im Winter zu essen.

Wer umweltbewusst einkaufen möchte oder zumindest wissen will, woher das jeweilige Obst oder Gemüse stammt, hat es nicht immer leicht. Im Wirrwarr der Gütesigel und Zeichen kann man nur schwer Orientierung finden: Biozertifikate bürgen nicht automatisch für österreichische Herkunft. Das schwarze Bio-Zeichen der Agrarmarkt Austria (AMA) kennzeichnet auch importierte Bio-Produkte - etwa Avocados aus Spanien. Auch die AT-Kontrollnummer für Bio-Ware steht nicht automatisch für ein heimisches Erzeugnis. Jedes Produkt, das hierzulande kontrolliert wurde, trägt den mehrstelligen Code.

Nur 50 Prozent aus Inland

Insgesamt stammen nur etwa 50 Prozent des in österreichischen Supermärkten angebotenen Bio-Obstes aus Österreich. Und bei importierter Ware muss man sich oft auf die Angaben aus dem Ausland verlassen, da nicht alles nachträglich chemisch-analytisch überprüft werden kann, so Beck. Jedenfalls sei man mit dem roten Bio-Zeichen der AMA "auf der sicheren Seite". (APA)

 

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    Zu lange Transportwege und damit mindere Qualität und verschlechterte Ökobilanz.

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