Deutscher Arbeitsmarkt bricht ein

26. Februar 2009, 12:48
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Die Auftragsflaute vieler Unter­nehmen ließ die Arbeitslosigkeit stark steigen, 3,5 Millionen Menschen waren im Februar arbeitslos

Nürnberg - Die Wirtschaftskrise und der kalte Winter haben den Arbeitsmarkt in Deutschland fest im Griff. Die Arbeitslosenzahl stieg im Februar erstmals seit März vorigen Jahres wieder über die Marke von 3,5 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Insgesamt registrierte die Behörde im Februar 3,552 Mio. Arbeitslose. Das waren 63.000 mehr als im Jänner und nur noch 66.000 weniger als vor einem Jahr. Das ist der stärkste Anstieg in einem Februar seit dem Krisenjahr 2005.

Gemildert durch Kurzarbeit

Dennoch rechnet die BA derzeit nicht damit, dass im Herbst die Marke von vier Mio. Arbeitslosen überschritten wird. Dazu trägt bei, dass der Anstieg der Erwerbslosigkeit durch eine drastische Zunahme der Kurzarbeit gemildert wird. Im Dezember verzeichnete die BA fast 201.000 Arbeitnehmer in 6.900 Betrieben, an die wegen Auftragsflaute Kurzarbeitergeld gezahlt wurde. Der Arbeitsausfall entsprach laut BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise 66.000 Vollzeitarbeitskräften, die "vielleicht arbeitslos geworden wären, wenn es nicht das Kurzarbeitergeld gäbe". Zählt man das Saison-Kurzarbeitergeld etwa wegen schlechten Wetters am Bau hinzu, gab es im Dezember sogar 270.000 Kurzarbeiter.

Für Februar rechnet die BA mit einem noch die dagewesenen Anstieg der vorsorglichen Anzeigen für Kurzarbeit um bis zu 670.000 Beschäftigte binnen eines Monats. Damit wäre seit Oktober für etwa 1,4 Mio. Arbeitnehmer aus konjunkturellen Gründen Kurzarbeit angemeldet worden. Die tatsächliche Zahl der in Kurzarbeit geschickten Arbeitnehmer fällt aber in der Regel geringer aus, wie auch der Dezember gezeigt hat.

BA-Vorstand Raimund Becker begründete dies damit, dass die Betriebe vorsorglich den Anspruch auf Kurzarbeitergeld sichern wollten. Er verwies auf den Autobauer Opel, der vom Konjunkturpaket profitiere. "Opel hat in größerem Umfang Kurzarbeit angekündigt, aber nicht realisiert, weil durch die Abwrackprämie Modelle wieder nachgefragt werden", sagte Becker.

Kein Anzeichen für Massenentlassungen

"Es gibt überhaupt keine Anzeichen für Massenentlassungen", sagte Weise. Trotz Rezession rechnet die BA nicht mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl im Herbst auf vier Millionen. "Gemessen an der volkswirtschaftlichen Einschätzung der Bundesregierung und dem Verlauf im Jänner und Februar drohen keine vier Mio. Arbeitslose", sagte Weise. "Würde die tatsächliche Entwicklung, das wirkliche Leben, sich in den nächsten Monaten anders verhalten als die Einschätzung der Volkswirte, dann müssten wir das korrigieren." Der Anstieg der Arbeitslosenzahl im Februar ist nach Weises Worten ganz eindeutig durch die schlechte Konjunktur begründet. Hinzu komme der im Vergleich zu den beiden Vorjahren harte Winter. Alle wichtigen Indikatoren des Arbeitsmarktes entwickelten sich negativ. "Die Arbeitslosigkeit stieg, die Erwerbstätigkeit nahm ab, und die Arbeitskräftenachfrage ging weiter zurück", erklärte Weise. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen fiel die Zunahme der Arbeitslosigkeit mit saisonbereinigt 40.000 aber etwas geringer aus als von Experten erwartet.

Erstmals seit März 2008 sank im Jänner nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Erwerbstätigen wieder unter die Marke von 40 Millionen. Demnach waren 39,83 Mio. Menschen mit Wohnsitz in Deutschland erwerbstätig und damit 704.000 weniger als im Dezember.(APA)

 

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    Die deutsche Arbeitslosigkeit stieg im Februar auf 3,552 Millionen Jobsuchende.

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