Kredit-Rating gekürzt

25. Februar 2009, 18:17
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Rating-Agentur kritisiert politisches Chaos und Nichteinhaltung der IWF-Forderungen

Kiew - Für die Ukraine wird es immer enger. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonitätsbewertung der Ukraine um zwei Stufen herabgesetzt. Sie senkte die Bonitätsbewertung für langfristige, in Fremdwährungen emittierte Staatspapiere von B auf CCC+. Die Ukraine steht damit auf einer Rating-Stufe mit Pakistan und verfügt über die niedrigste Kreditwürdigkeit in Europa.

Fehlender politische Wille

S&P begründete die Abstufung der Ukraine mit dem fehlenden politischen Willen, die Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) umzusetzen. Der vom IWF in Aussicht gestellte Kredit in Höhe von 16,4 Milliarden US-Dollar sei dadurch in Gefahr. Der IWF hatte Mitte Februar die Auszahlung der Kredittranchen auf Eis gelegt, nachdem die Regierung ihr Budget präsentierte. Premierministerin Julia Timoschenko plant entgegen den Vorgaben des IWF ein Budgetdefizit von drei Prozent.
Auch Moodys hat bereits vor der Herabstufung des Ratings gewarnt. Die Ratingagentur Fitch hat die Bewertung der ukrainischen Kreditwürdigkeit schon vor zwei Wochen herabgesetzt.
Die Ukraine, die wie kein anderes Land in Europa unter der weltweiten Wirtschaftskrise leidet, wird seit Monaten durch einen Streit zwischen Timoschenko und dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko gelähmt. Aber auch innerhalb der Regierung läuft es alles andere als rund. Finanzminister Viktor Pinsenik reichte seinen Rücktritt wegen Meinungsverschiedenheit mit Timoschenko über die Finanzpolitik ein, was die weiteren Verhandlungen mit dem IWF zusätzlich erschweren wird.
Die Ukraine, die in diesem Jahr rund 30 Milliarden US-Dollar an Auslandschulden zurückzahlen muss und mit der Abwertung der Landeswährung Griwnja kämpft, hat daher 14 Staaten und internationale Organisationen um Unterstützungskredite gebeten. Mit Russland verhandelte die Ukraine um die Vergabe eines Fünf-Milliarden-Dollar-Kredits.

Russland hilft Banken

Dabei hat Russland derzeit selbst alle Hände voll zu tun, um die Abwertung des Rubel zu stoppen. Seit November verlor der Rubel gegenüber einem Währungskorb aus Dollar und Euro ein Drittel seines Wertes. Zwar hat Russland noch immer einen Sicherheitspolster von 313 Milliarden Euro. Die Devisenreserven sinken jedoch in Folge der Interventionen der Nationalbank rasant. Momentan ist der Rubel wieder stabil, Analysten rechnen aber damit, dass Spekulanten die russische Landeswährung unter Druck setzen werden.
Teuer zu stehen kommt Russland auch die Sanierung seiner Banken. Die Regierung hat bisher 400 Milliarden Rubel (8,7 Milliarden Euro) in die Bankenhilfe investiert. (ved, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2009)

 

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    Düstere Wirtschaftsaussichten für die Ukraine. Die Menschen stehen vor den Banken Schlange, um ihr Geld abzuziehen.

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