Verbund 2008 mit 19 Prozent Gewinn-Plus

25. Februar 2009, 15:18
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Operativ sogar ein Viertel mehr verdient - Weniger Stromabgabe, allerdings zu deutlich höheren Preisen

Wien - Der Verbund, Österreichs führendes Stromunternehmen, hat im abgelaufenen Jahr ein kräftiges Gewinnplus erzielt und erhöht daher auch die Ausschüttung an die Aktionäre. Das Nettoergebnis stieg um 18,6 Prozent auf 686,6 Mio. Euro, und die Dividende soll um 16,7 Prozent auf 1,05 (0,90) Euro je Aktie erhöht werden, gab der Verbund am Mittwoch vor seinem Bilanzpressegespräch ad-hoc bekannt. Für 2009 wird trotz "weiterhin sehr schwieriger Rahmenbedingungen ein ähnliches Ergebnis wie 2008" angepeilt, auch will man an der Dividendenpolitik von cirka 45 Prozent Pay-out-Ratio festhalten.

Operativ verdiente der Verbund 2008 mit 1,139 Mrd. Euro EBIT um 24,3 Prozent mehr. Die Umsatzerlöse wuchsen um 23,2 Prozent auf 3,745 Mrd. Euro. Der operative Cashflow legte um 16,7 Prozent auf 934,2 Mio. Euro zu. Je Aktie stieg der Nettogewinn auf 2,23 (1,88) Euro, Analysten hatten im Schnitt 2,32 Euro erwartet. Am Dienstag hat die Aktie um 0,94 Prozent auf 26,25 Euro nachgegeben. Das Net Gearing (Verschuldungsgrad) verschlechterte sich 2008 von 70 auf 80 Prozent.

Profitiert hat der Verbund 2008 vor allem von höheren Absatzpreisen in den europäischen Strommärkten. Der durchschnittlich erzielte Vertragspreis lag im Vorjahr bei 63,34 Euro je Megawattstunde (MWh), nach 53,15 Euro 2007. Für das Jahr 2009 wurden per Ende 2008 bereits 68 Prozent der Eigenerzeugung zu durchschnittlich 70,28 Euro/MWh verkauft, so der Verbund.

Die Stromabgabe des Verbund (nach Fremdhandelssaldierung) sank im Vorjahr von 102.191 auf 92.525 GWh. Der Erzeugungskoeffizient in der Wasserkraft lag bei 1,01 (0,97). Der Mitarbeiterstand erhöhte sich von 2.441 auf 2.541.

Inlands-Investments trotz Finanzkrise

Trotz Finanzkrise und Konjunktureinbruch will der Verbund sein Investitionsprogramm ohne Einschränkungen fortsetzen, kündigte am Mittwoch Generaldirektor Wolfgang Anzengruber an. Einen Rückgang bei der Stromnachfrage gebe es noch nicht, "wir rechnen für 2009 mit einer Stagnation". Durch die Finanzierungskraft, gute Liquidität und Position am Markt sei man "für die allfälligen Krisenszenarien gerüstet". 2009 soll ans gute Vorjahrsergebnis angeschlossen und die Dividendenrate gehalten werden. Aus den Cross-Border-Finanzierungen will man großteils aussteigen, unterm Strich ohne Verlust.

Das hervorragende Ergebnis von 2008, das bisher beste der Firmengeschichte - "ein Verdienst des früheren Generaldirektors Michael Pistauer und seiner Vorstandskollegen" - werde man 2009 nicht toppen können, so der seit Anfang des Jahres neue Konzernchef in der Bilanzpressekonferenz. Man wolle "einigermaßen in die Größenordnung von 2008", angesichts des Produktionsrückgangs der Industrie, die zu einem Viertel ihren Strom beim Verbund kauft, werde das "schwierig" sein. Das Jahr 2009 sei aber "relativ gut abgesichert", da man schon Ende 2008 fast 70 Prozent der Erzeugung 2009 zu guten Preisen (70,28 Euro/MWh) verkauft habe. Auch seien wegen der jetzigen und künftigen Stromlücke mittelfristig steigende Großhandelspreisen zu erwarten. Andererseits sei man bei den Rohstoffen großteils primärenergiefrei.

Bremse in Osteuropa

Reduzieren bzw. prioritätsmäßig zurückstufen werde man dagegen Investitionen in Zentral- und Osteuropa, da sich der Verbund Flexibilität auf der Finanzseite behalten wolle: "Die Expansion dort wird sich etwas verlangsamen wegen der Finanzkrise." An möglichen CEE-Projekten nannte Anzengruber Wasserkraft - oder auch thermische Kraftwerke in Mazedonien, Bulgarien und Rumänien. 2008 bekam man in Albanien den Zuschlag für Bau und Betrieb des Ashta-Wasserkraftwerks.

In Italien und Frankreich will der Verbund seine Position weiter ausbauen, erklärte Anzengruber. Die italienische Sorgenia, an der der Verbund schon auf 42,7 Prozent aufgestockt hat, soll ihr Erzeugungspotenzial bis 2015 um zusätzliche 3.200 MW Gas, Wind und Solar erhöhen. Beim 50:50-Joint-Venture EnerjiSA mit Sabanci in der Türkei sollen 4.800 MW hinzu kommen. Zuletzt wurde im Land der Verteilnetzbetreiber Baskent EDAS mit 3 Mio. Kunden erworben.

Bei Poweo in Frankreich - der Verbund hält 30 Prozent - sollen Endkundengeschäft, Gas-Dampf-Kraftwerke und Erneuerbare weiterentwickelt werden, der erste Gas- und Dampfblock geht laut Anzengruber in wenigen Wochen in Betrieb. Das die deutsche E.ON in das Joint-Venture Poweo mit einsteigt und dabei womöglich auch der Verbund etwas von seinem Anteil abgibt, wie es Ende Jänner nach einer Interessensbekundung der Deutschen geheißen hatte, wollte der Verbund-Chef heute nicht ausschließen: "Alle Varianten sind offen."

Aktie sackt ab

Die Aktie des heimischen Verbund-Konzerns hat am Mittwoch mit Abschlägen auf die in der Früh vorgelegten Ergebnisse reagiert. Bis 14.15 Uhr fiel die Aktie in einem festen Gesamtmarkt um 4,99 Prozent auf 24,94 Euro. Umsatz- und Ergebnisentwicklung seien wie erwartet zufriedenstellend ausgefallen, erklärt der Erste Group-Analyst Christoph Schultes in einer ersten Reaktion. Lediglich die negativen Auswirkungen von Einmaleffekten bei den Abschreibungen auf das Finanzergebnis und damit auch das Nettoergebnis hätten überrascht.

"Das zeigt, dass die Finanzkrise im Finanzergebnis der Utilities angekommen ist", so Schultes. Das Minus im Aktienkurs erklärt der Analyst mit dem konservativen Ausblick des Unternehmens, hier sei mehr zu erwarten gewesen. Insgesamt sei das Unternehmen aber weiter gut aufgestellt, angesichts der wieder fallenden Strompreise dürfte sich allerdings das Sentiment für Versorger generell verschlechtert haben.

Die vom Verbund angekündigten Auflösungen von Cross-Border-Leasingverträgen mit US-Partnern seien laut Schultes nicht negativ für den Verbund zu sehen. Die damit lukrierten Vorteile dürfte der Verbund nach eigenen Angaben überwiegend behalten können. (APA)

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