Überleben auf einer zweiten Erde

24. Februar 2009, 18:20
posten

Astronomin Elke Pilat-Lohinger berechnet die Stabilität von erdähnlichen Exoplaneten

Als das französische Weltraumteleskop CoRoT Anfang Februar den ersten erdähnlichen Exoplaneten im Sternbild Einhorn - außerhalb unseres Sonnensystems - entdeckte, freute sich Elke Pilat-Lohinger mit der Fachwelt. Aber es war ihr klar, dass es auf "CoRoT-Exo-7b" eher höllisch zugeht. Die Astronomin von der Universität Wien ist dennoch überzeugt, "dass unser Sonnensystem nicht das einzige ist, das Leben auf einem seiner Planeten ermöglicht".

Die Voraussetzungen für das (Über-)Leben auf einer möglichen "Zweiterde" sind langfristig die Lage in der bewohnbaren Zone und eine stabile Umlaufbahn. Eine zu starke Abweichung von der Kreisbahn um den Stern wäre keine gute Basis. Eine mögliche Zweiterde würde regelmäßig aus der bewohnbaren Zone hinauswandern. Darüber hinaus nennt die Astronomin angenehme Nachbarn als Bedingung: Sie dürfen nicht zu elliptisch unterwegs sein, weil sie sonst die Bahn der Exo-Erde stören. Außerdem müsste der noch zu suchende Erdzwilling genügend Masse haben, um eine entsprechend dicke Atmosphäre zu haben.

Für ihre Forschung verwendet die 44-jährige Oberösterreicherin Bahndaten, die von Lichtkurven der Exoplaneten stammen und von der Community weltweit beobachtet werden. Sie zieht daraus Schlüsse in Bezug auf mögliche Konstellationen. Neben einfachen "Sonne - ein Planet"-Systemen sind auch Varianten mit Monden sowie "Zweisternsysteme" denkbar. Solche Doppelsterne bewegen sich um den gemeinsamen Schwerpunkt und der Planet "umkreist" entweder einen Stern oder beide. Wenn ihre Berechnungen keine langfristig stabilen Szenarien ergeben, "heißt es weiter beobachten. Dann haben sich vielleicht noch nicht alle Mitspieler des Systems in den beobachteten Lichtkurven gezeigt."

Bei ihren Berechnungen von Planetenbahnen landete sie mit ihrer Dissertation am Observatorium in Nizza und spezialisierte sich ab 1999 auf extrasolare Planeten. Die Astrodynamikerin hat in einer Vorstudie den Einfluss der Erde auf das Bahnverhalten der Venus gezeigt und nachgewiesen, dass mögliche Entwicklungsszenarien im äußeren Sonnensystem auch den Bereich der terrestrischen Planeten beeinflussen können. Aufbauend auf der Entstehung der aktuellen Planetenkonstellation in unserem äußeren Sonnensystem soll im Rahmen des FWF-Projekts "Dynamische Entwicklung von Planeten in der Habitablen Zone" untersucht werden, ob diese Theorie auch auf andere Systeme anwendbar ist. Pilat-Lohinger will zudem prüfen, wo die Grenze der Stabilität in Doppelsternsystemen liegt und ob zusätzlich erdähnliche Planeten existieren können. Analysiert werden auch mögliche Störungen der bewohnbare Zone bei Vorhandensein eines Gasplaneten, der auf einer sehr engen Bahn in nur wenigen Tagen den Mutterstern umkreist.

Der Sternenhimmel war in ihrer Kindheit am Mondsee gut zu sehen und auch Motivation für das Studium an der Uni Wien. Damals waren die ersten Semester jedoch sehr theorielastig. Pilat-Lohinger, heute zweifache Mutter, plädiert mittlerweile für die frühe Beobachtung des Himmels, "damit sich Studierende ein Bild im doppelten Sinn machen können". (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe 25.02.2009)

 

  • Elke Pilat-Lohinger zieht aus Bahndaten Schlüsse bezüglich Planetenkonstellationen.
    foto: privat

    Elke Pilat-Lohinger zieht aus Bahndaten Schlüsse bezüglich Planetenkonstellationen.

Share if you care.