"Die Hälfte kennt sich nicht aus"

27. Februar 2009, 15:08
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Von den 40.000 Salzburger Erstwählern fühlen sich viele schlecht informiert - Eine falsche Einschätzung, finden die Jugendkandidaten

Samstagnacht am Salzburger Rudolfskai: Die Musik dröhnt aus den Lokalen auf der Fortgehmeile, davor versammeln sich Jugendliche zum Rauchen und Tratschen. Der perfekte Ort, um im Wahlkampf Jungstimmen zu sammeln: Das BZÖ teilt Zuckerl und Schlüsselanhänger aus, die SPÖ Waffeln.

"Politische Bildung fehlt"

Der 16-jährige Stefan gibt zu, dass er sich für Politik "nicht interessiert." Wählen will er am 1. März zwar schon, aber "ich weiß noch nicht wen. Ich habe mich noch nicht informiert", sagt der Lehrling vor einer Bar.

Sebastian, ebenfalls 16 Jahre alt, zeigt sich im Gespräch mit derStandard.at engagierter: "Politik interessiert mich total, deshalb bin ich jetzt bei der GPA." Wem er seine Stimme gibt, weiß er schon: "Der SPÖ, die tun am meisten für die Jugendlichen." Er versteht jedoch andere Jugendliche, die bisher nicht wissen, wen sie wählen sollen. "Die Plakate sprechen die Jugendlichen zu wenig an. Und es fehlt die politische Bildung."

"Ideen sprudeln"

40.724  SalzburgerInnen dürfen am 1. März bei der Landtagswahl zum ersten Mal mitbestimmen. Davon sind 12.071 zwischen 16 und 18 Jahren alt. In den Wochen vor der Wahl traten die jungen Spitzenkandidaten bei zahlreichen Podiumsdiskussionen auf. Niki Solarz (27) von den Jungen Roten findet: "Die Jugendlichen sind gut informiert." Die SPÖ komme vor allem bei den Lehrlingen gut an. Marlene Wörndl, 25-jährige Jungkandidatin der JVP Salzburg berichtet gegenüber derStandard.at, dass die jungen Menschen anfangs Berührungsängste haben: "Wenn man sie nach ihren Wünschen fragt, sprudeln die Ideen, und dann erst merken sie, dass das auch etwas mit Politik zu tun hat."

"Die Jugendlichen glauben zwar, dass sie schlecht informiert sind. In Wirklichkeit sind die Erwachsenen auch nicht besser informiert, nur geben die es nicht zu", glaubt der Grüne Jungkandidat Jochen Nestler, 25 Jahre alt. Er sieht für seine Partei große Chancen bei den Jugendlichen. Als Hauptkonkurrent sieht er allerdings die FPÖ: "Die setzen vor allem auf das Thema Sicherheit, und Jugendliche, die beim Fortgehen schlechte Erfahrungen machen, fühlen sich davon angesprochen."

Thema Sicherheit

Der 26-jährige FPÖ-Jugendkandidat Bastian Grösslhuber betont: "Am Rudolfskai fehlt die Polizei, die Kriminalität ist noch immer hoch." In den letzten Jahren war die Fortgehmeile wegen Gewalttaten in den Schlagzeilen. Nachdem man Überwachungskameras installiert hat, habe sich die Lage jedoch beruhigt, heißt es von Seiten der Stadt auf Anfrage von derStandard.at.

Während die Grünen, die Jungen Roten und die JVP sich auf den Wahlkampf im Internet konzentrieren, hat die FPÖ kein eigenes Online-Angebot für Jugendliche. "Natürlich ist das verbesserungswürdig", sagt Grösslhuber. Das BZÖ hat keinen offiziellen Jugendkandidaten, dafür einen 25-jährigen Parteichef. "Das signalisiert den jungen Leuten, dass wir uns um sie kümmern", meint Robert Stark.

"Hälfte wählt FPÖ"

Die beiden 16-jährigen Schülerinnen Marietta und Christine, an diesem Abend ebenfalls am Rudolfskai, haben das Angebot genutzt: "Wir waren schon bei einer Podiumsdiskussion und werden noch eine besuchen." Und das, obwohl beide schon wissen, wen sie wählen: "Die ÖVP. Wilfried Haslauer wirkt wie ein guter Sachpolitiker." Sie befürchten jedoch, dass nicht alle so gut informiert sind: "Die Hälfte der Jugendlichen kennt sich nicht aus. Und diese Hälfte wählt dann die FPÖ." (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at)

  • Fortgehmeile Rudolfskai: Hier treffen die Wahlkämpfer auf potenzielle Erstwähler.
    foto: derstandard.at/peherstorfer

    Fortgehmeile Rudolfskai: Hier treffen die Wahlkämpfer auf potenzielle Erstwähler.

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