Opel ringt weiter um Zukunft

24. Februar 2009, 20:02
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Mitarbeiter-Protest am Donnerstag - Außerordentliche Aufsichts­ratssitzung am Freitag

Rüsselsheim/Berlin - Im Ringen um die Zukunft des deutschen Autobauers Opel wollen Mitarbeiter der GM-Tochter an diesem Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und gegen Standortschließungen demonstrieren. Die Beschäftigten wollten "ein Zeichen setzen für ihre Zukunft in einem eigenständigen Unternehmen Opel/Vauxhall und eine tragfähige separate Lösung für Saab", erklärte der Gesamtbetriebsrat am Dienstag.

Zu einer zentralen Kundgebung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim erwartet der Gesamtbetriebsrat mehrere tausend Teilnehmer. Als Redner angekündigt sind unter anderen Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und IG-Metall-Chef Bertold Huber. Auch an den Standorten in Kaiserslautern und Eisenach soll es Proteste geben. Die Beschäftigten aus Bochum werden sich laut IG Metall auf den Weg nach Rüsselsheim machen.

Im GM-Powertrain-Werk in Wien-Aspern sind am Donnerstag übrigens Informationsveranstaltungen geplant. Weil kurz gearbeitet wird, dürften aber nicht allzu viele Arbeitnehmer daran teilnehmen. Das Werk gehört zwar direkt zu GM, liefert aber rund 90 Prozent seiner Produktion an Opel.

Hilfe

Opel bemüht sich derzeit um staatliche Hilfe und erwägt eine Abtrennung vom angeschlagenen Mutterkonzern General Motors (GM), dem die Insolvenz droht. "Opel ist kein Sanierungsfall, sondern die Tochter einer kranken Mutter. Eine Insolvenz ist weder unvermeidlich noch sinnvoll und erst recht nicht notwendig", betonte der IG-Metall- Leiter für den Bezirk Frankfurt, Armin Schild, in einer Mitteilung. "Was wir jetzt brauchen sind keine Grundsatzdebatten, sondern Unterstützung für die Zukunft von "Opel Europa"".

Die deutsche Bundesregierung hält sich zu möglichen Staatshilfen für den angeschlagenen Autobauer Opel weiter bedeckt. Zunächst müsse Opel sein angekündigtes Sanierungsprogramm präsentieren. "Sobald es vorliegt, werden wir dies prüfen und schnellstmöglich entscheiden", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (Dienstag) sind inzwischen neben einer Bürgschaft auch staatliche Kredite im Gespräch. Mit einem Kredit könnte der Bund Opel schneller unter die Arme greifen als mit einer Bürgschaft. Dafür käme der neue 100- Milliarden-Euro-Topf der Regierung für kriselnde Firmen infrage. Das Kredit- und Bürgschaftsprogramm ist Teil des zweiten Konjunkturpakets. Noch ist der bei der Staatsbank KfW angesiedelte Schutzschirm für die Industrie aber nicht fertig. Opel könnte deshalb formal gar keinen Kreditantrag stellen. Direkte Beteiligungen des Staates an Unternehmen sind in dem Hilfsprogramm nicht vorgesehen.

Opel will seinen Sanierungsplan nach Gewerkschaftsangaben noch in dieser Woche vorlegen. An diesem Freitag (27.2.) trifft sich der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung. Der Betriebsrat will Opel aus dem Verbund mit GM herauslösen. Bis Opel auf eigenen Füßen stehen kann, soll der Staat einspringen. Nach Informationen des "Handelsblattes" (Mittwoch) lotet das Management die Umwandlung des Unternehmens in eine europäische Aktiengesellschaft aus. Ein Opel- Sprecher wollte dazu keine Stellung nehmen. (APA/dpa)

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