Trichet fordert strengere Finanz-Regulierung

23. Februar 2009, 13:12
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Um einen neuen regulatorischen Rahmen für die Branche zu schaffen sei eine enge internationale Zusammenarbeit nötig

Paris - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat sich einen Tag nach dem Vorbereitungstreffen der Europäer auf den Weltfinanzgipfel Anfang April in London erneut vehement für eine strenge Regulierung der Finanzindustrie stark gemacht. "Die gegenwärtige Krise ist ein lauter und klarer Ruf, dass es einer umfassenden Kontrolle und Aufsicht über alle systemisch relevante Finanzinstitute bedarf - besonders Hedgefonds und Ratingagenturen. Das gilt auch für systemisch relevante Teile der Finanzmärkte, vor allen für den außerbörslichen Handel mit Derivaten", sagte Trichet am Montag in Paris.

Um einen neuen regulatorischen Rahmen für die Branche zu schaffen sei eine enge internationale Zusammenarbeit nötig. Die in der G-20 zusammengeschlossenen wichtigsten Industrie- und Schwellenländer müssten am Ende der laufenden Debatten eine international gültige Vereinbarung über die Rahmenbedingungen für das gesamte Weltfinanzsystem aus der Taufe heben. Das System in seiner bisherigen Form sei viel zu labil und anfällig. Zentrale Institutionen in dem neuen Ordnungsrahmen sollen, bekräftige Trichet frühere Aussagen, der Internationale Währungsfonds (IWF) und das Finanzstabilitätsforum (FSF) werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stehe bereit, um zusätzliche Kompetenzen bei der Banken- und Finanzaufsicht zu übernehmen. Die Bankenaufsicht in Europa ist bisher national organisiert. In Deutschland teilen sich Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) diese Aufgabe.

Trichet appellierte an die Banken, ihre volkswirtschaftliche Aufgabe als Kreditgeber wieder zu erfüllen. Während in der seit rund eineinhalb Jahren andauernden Finanzkrise die Kreditströme meist ausreichend in die Realwirtschaft geflossen seien, sei dieser Prozess nun ins Stocken geraten, bemängelte Trichet. "In den vergangenen Wochen haben wir die ersten Zeichen sinkender Kreditflüsse gesehen."

Die unter der Finanzkrise leidenden Banken müssten die von den Staaten angebotenen Hilfen annehmen und der Wirtschaft weiterhin Geld zur Verfügung stellen, forderte der EZB-Chef. Die Krise des Finanzsystems belaste die in der Rezession steckende Realwirtschaft zunehmend. (APA/Reuters)

 

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