"Unsere Anliegen werden nicht ernst genommen"

9. Juli 2009, 10:13
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Die Fachhochschulen fühlen sich von Regierung und Landeshauptleuten im Stich gelassen, meint Erhard Busek, Rektor der FH Salzburg

Standard: Sie haben den Unis vor einiger Zeit empfohlen zu streiken: Lehrende, Studierende und Eltern sollen auf die Finanznotlage aufmerksam machen. Die FHs stehen aber auch nicht besser da - werden Sie die FH Salzburg bald zusperren?

Busek: Nein, das können wir uns gegenüber den jungen Leuten nicht erlauben. Die FHs haben eine Menge an Protestaktionen eingeleitet, und wir werden uns sicher noch weitere Maßnahmen überlegen, um deutlich zu machen, dass wir uns verschiedene Dinge, die zur Qualitätssicherung notwendig sind, einfach nicht mehr leisten können. Der Aufruf zum Streik war eine Überspitzung. Sonst kommt man mit dem Thema nicht durch, weil sich die öffentliche Wahrnehmung in diesem Bereich in Grenzen hält.

Standard: Eine Maßnahme war ein Brief an die Regierung, der in verschiedenen Zeitungen erschien. Die FHs meinten: "Der Spagat zwischen Sparkurs und Topausbildung ist nicht mehr zu schaffen." Die Antwort lässt auf sich warten.

Busek: Wir müssen der Regierung klarmachen, dass gerade in der jetzigen Situation das Angebot der FHs das Richtige ist. Die Ausbildung ist flexibel, wir bieten Studiengänge für Berufstätige an - stehen etwa für Leute in Kurzarbeit offen -, und es gibt kaum Arbeitslose unter den Absolventen. Weiters ginge es auch um eine neue Abstimmung zwischen dem Angebot der FHs und der Unis. Einige ihrer Studien könnten die Unis durchaus an FHs abtreten. Das würde ihnen etwas vom finanziellen Druck nehmen, die Verteilung der Gelder könnte anders ausfallen.

Standard: Minister Hahn hat den Unis zwischen 2010 und 2012 rund 1,6 Milliarden Euro mehr zugesagt. Den FHs versprach er nichts - deren Forderungen erregen sogar Unverständnis. Hat es Sie überrascht, dass Sie wieder leer ausgehen?

Busek: Nein, das habe ich erwartet. Das ist mit einer der Gründe gewesen, warum ich versucht habe, die FHs in eine Kampagne zu treiben. Leider sind auf Länderebene einige sehr ungeschickte Dinge geschehen. Die Studiengebühren in Kärnten und Vorarlberg abzuschaffen und in der Steiermark gar nicht erst einzuheben hat ganz falsche Vorstellungen von unserer finanziellen Ausstattung geschaffen. Da hat man teils auf die eigenen Landtagswahlen geschielt. Johannes Hahn hat jetzt natürlich das gute Argument: "Ihr habt eh genug Geld."

Standard: Warum melden sich die Landeshauptleute nicht überhaupt mehr zu Wort? Gerade Frau Burgstaller in Salzburg müsste doch vor der anstehenden Wahl im März für Ihre Einflüsterungen offen sein?

Busek: Das ist leider nicht der Fall. Wir haben in Salzburg z. B. sechs Gesundheitsstudien, bei denen die Chance bestand, sie bei Finanzverhandlungen zu "verbundlichen". Der damalige Finanzminister Molterer war offen dafür und hat auf den entsprechenden Vorschlag unserer Landeshauptfrau gewartet. Sie hat das aber nicht angesprochen. Ich habe sie natürlich zur Rede gestellt, aber da hieß es dann, es sei keine Zeit für das Thema gewesen usw. Man kann also durchaus sagen, dass unsere Anliegen nicht ernst genommen werden.

Standard: Aufgrund der Wirtschaftskrise wird jetzt die Bildungskarenz gefördert. Die Bestrebungen, damit Leute an die FH zu bringen, scheinen aber nicht sehr stark ...

Busek: Das AMS ist in dieser Hinsicht noch etwas fantasielos. Ich glaube, dass streckenweise noch das Bild des Arbeiters vorherrscht, das natürlich nicht mehr der Realität entspricht. Die FHs werden dort als mittleres Bildungsangebot gesehen, die Universitäten als höhere Bildung. Auf der unteren Ebene hält man sich an Wifi und bfi.

Standard: Wie ist eigentlich das Verhältnis zwischen Uni-Rektoren und FH-Leitern? Man könnte meinen, Letztere suchen die Nähe, während Erstere nicht ganz so viel für die FH-Probleme übrig haben ...

Busek: Die Rektoren haben mitunter den Eindruck einer unangenehmen Konkurrenz. Die Unis sind nach wie vor sehr darauf trainiert, dem Staat zu gehorchen, und müssen ihre Autonomie erst lernen. (Bernhard Madlener/DER STANDARD Printausgabe, 21./22. Februar 2009)

Zur Person

Erhard Busek (67), ehemals ÖVP-Vizekanzler und Wissenschaftsminister, ist Rektor der FH Salzburg, Leiter des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa sowie Uni-Rat-Chef der Med-Uni Wien.

  • Erhard Busek, Fachhochschul-Rektor in Salzburg, kritisiert die Abschaffung der Studiengebühren an einzelnen FHs.
    foto: standard/newald

    Erhard Busek, Fachhochschul-Rektor in Salzburg, kritisiert die Abschaffung der Studiengebühren an einzelnen FHs.

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