Bankgeheimnis: Vogel Strauß

20. Februar 2009, 19:04
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Das Bankgeheimnis wird über kurz oder lang fallen wie einst die Anonymität

Das war schon ein Klassiker österreichischer Realitätsverweigerung, der am Freitag feilgeboten wurde: Die heimischen Parlamentsparteien bekundeten angesichts der Weitergabe von UBS-Kundendaten an die US-Behörden ihr Festhalten am Bankgeheimnis. Das zählt neben der Nato-, Atomkraft- und Gentechnikfreiheit offenbar zu den besonderen Errungenschaften des Landes und hat einen ähnlich identitätsstiftenden Charakter wie Mozartkugel und Lipizzaner.

Derartige österreichische Tugenden gilt es natürlich gegen das böse Ausland zu verteidigen. Dieses heißt diesmal freilich nicht (nur) EU, sondern internationale Staatengemeinschaft. Vieles deutet darauf hin, dass sich die größten Industrie- und Schwellenländer bei ihren Beratungen über eine neue Weltfinanzordnung auf gemeinsame Standards in Sachen Bekämpfung von Korruption, Geldwäsche und Steueroasen verständigen werden. Zu diesem Themenkomplex zählt auch der volle Austausch in Steuerangelegenheiten, den Österreich dem Bankgeheimnis opfert.

Die führenden Politiker des Landes vertrauen trotz des internationalen Drucks auf die Vogel-Strauß-Politik. Selbst das - aus US-Sicht unzureichende - Einlenken der Schweiz hat daran nichts geändert.

Das Bankgeheimnis wird über kurz oder lang fallen wie einst die Anonymität. Es wäre höchst an der Zeit, Reformkonzepte auszuarbeiten. Was die Sparer wirklich verunsichert, sind falsche Versprechen, die nicht zu halten sind. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.2.2009)

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