Wo man den Papst versteht

20. Februar 2009, 18:11
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Keine Frage - der katholischen Kirche geht es nicht gut. Dabei müsste das nicht sein, hörte sie nur auf jene Laien

Keine Frage - der katholischen Kirche geht es nicht gut. Dabei müsste das nicht sein, hörte sie nur auf jene Laien, die sich mit ihr die Skepsis gegenüber der "westlichen Wertegemeinschaft" teilen. So aber: Seit die Amtskirche sich das dubiose II. Vatikanische Konzil von progressiven Gestalten à la König hat aufs Auge drücken lassen, werden Glaubensinhalte stetig verwässert. Wenn schon Kleriker in öffentlichen Diskussionen erklären, die oberste Aufgabe der Kirche sei darin zu sehen, Akzeptanz in der Gesellschaft zu erheischen, dann wurde der Zeitgeist zum neuen Fetisch der Schwarzkittel erkoren. Es ist auch bezeichnend für die Schwäche Roms, daß man sich von der israelhörigen Regierungschefin eines EU-Staates beflegeln läßt und vor Vertretern einer anderen Religionsgemeinschaft in die Knie geht.

Anders kann man sich diese bedauerliche Entwicklung unter den freiheitlichen Habt-Acht-Katholiken von "Zur Zeit" nicht erklären als so: Hat der Vatikan etwa zu viele eigene Leichen im Keller, daß man so kleinlaut agiert, oder will man nur eine gute Presse haben und nicht als "ewiggestrig" bezeichnet werden? - Ein Schicksal, unter dem auch die Strache-Truppe leidet. Zeitgeistpresse und Systempolitiker machen Stimmung gegen Rom und verstehen nicht, daß die Katholische Kirche partout nicht die dekadenten Positionen der weltlichen Funktionsträger der "westlichen Wertegemeinschaft" übernehmen will.

Die rechten Ministranten hingegen verstehen das. Bei der Bestellung des neuen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner, eines romtreuen Klerikers, der nicht jeden modernen Mist mitmacht, plusterten sich kleinkarierte Kirchenmänner, liberale Laien, moralisierende Medienmacher und PC-Politiker gleichermaßen auf und sprachen von einer "autoritären" Entscheidung Benedikts XVI.! Moment mal, die Kirche ist hierarchisch gegliedert und keine demokratische Organisation, wo die Basis über Glaubensinhalte und Personalfragen abstimmen kann. Das hat es, als ewiggestrig noch heute war, auch nicht gegeben. "Ewige Wahrheiten", wie sie fast jede Religion verkündet, also etwa dass Homosexualität a) eine Sünde respektive Krankheit, aber b) heilbar ist (daher auch Heilslehre) können nicht einfach zur Disposition gestellt werden, nur weil der Zeitgeist jetzt anders weht.

Wenn nur dieser verfluchte Zeitgeist nicht wäre! Auch der Chefredakteur und EU-Spitzenkandidat Andreas Mölzer weiß dazu etwas. Ganz abgesehen davon, daß man kurioserweise im Vatikan jene Kreise, in denen der Analverkehr mit möglichst knackigen Jünglingen praktiziert wird - nur dort? -, noch nicht automatisch zum Kreis der Heiligmäßigen zählt, besitzt man offenbar im Umfeld des katholischen Pontifex auch noch die Frechheit, das neutestamentarische Missioniergebot auf alle Menschen anzuwenden - auch auf die Juden. Und das ist doch bitte sehr, schon massiver Antisemitismus - oder nicht?

Mölzer hat ein wahres Kreuz mit seiner Kirche. Der Pflicht-Antifaschismus hat ja längst pseudo-religiöse Züge angenommen: Da gibt es Dogmen, an denen man nicht zweifeln darf, an die man vielmehr mit Inbrunst glauben muß. Dann gibt es Kultstätten, die Holocaust-Denkmäler quer durch Europa, und schließlich auch noch die Kreise, in denen der Analverkehr mit möglichst knackigen Jünglingen praktiziert wird - da kann sich ein aufrechter Neonazi nur die Haare raufen: Warum nicht einfach gottgläubig werden? Das hat sich doch bewährt.

Wo tiefkatholische Religiosität waltet, ist die Inquisition nicht weit. Ewald Stadler steht zwar zu Pfarrer Wagner und wettert in "News" gegen "diesen Weichspül-Katholizismus der Marke Schönborn". Aber "Zur Zeit" urteilt: So wie er die FPÖ verriet, verrät er nun die Piusbruderschaft.

Stadler, ein Allwetter-Chamäleon. Zuerst der dienstfertige Schüler des aufstrebenden Volkstribuns Jörg Haider, dann dessen Dobermann im Parlament . Worauf der Frontenwechsel folgt, Stadler zum heftigsten Kritiker Jörg Haiders wird, diesen als Schwulen und Verräter denunziert. (Ohne knackig.) Und nachdem er sich gegen Strache in der FPÖ nicht durchzusetzen vermochte? Da entblödete er sich nicht, sogar ein Fliegenschußschieß-großes Pünktchen auf einer Krawatte Straches mit der Lupe als Reichskriegsflagge zu denunzieren. Genau so sein Weg durch die religiöse Landschaft: Zuerst ein entschiedener Antiklerikaler im korporationsstudentlichen Bereich, dann auf einmal sein christkatholisches Erweckungserlebnis. Nunmehr der Schwenk mit gleichzeitiger Denunzierung seiner vormaligen Freunde. Gott, was ist los? (Günter Traxler/DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.2.2009)

 

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    Ewald Stadler.

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