Simbabwe "steht ein Kampf bevor"

20. Februar 2009, 09:38
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Eddie Cross: "Militär plant Intrige, Präsident der Zentralbank ist Geldgeber"

Wien/Harare - "Ein Kampf steht bevor, nicht mit Waffen, zumindest das noch nicht!", warnte Eddie Cross am vergangenen Montag angesichts der schwierigen Situation in Simbabwe. Er ist seit 1999 Mitglied der Partei der "Bewegung für Demokratischen Wandel" (MDC) des am vergangenen Freitag angelobten Ministerpräsidenten Morgan Tsvangirai und war für einen Ministerposten in der Koalitionsregierung im Gespräch, an die der autoritär herrschende Staatspräsident Robert Mugabe nun einen Teil seiner Macht abgegeben hat. Freunden im Ausland liefert Cross von Zeit zu Zeit per E-Mail aktuelle Lageberichte und beschreibt die derzeitige Situation in dem afrikanischen Land.

In Simbabwes Straßen herrsche ein Kampf um "jedes Gebäude, jede Straße". Auf der einen Seiten stünden die Militärchefs, die sich bereits im Jahr 2002 geweigert hätten, Tsvangirai als gewählten Präsidenten zu akzeptieren und die eine "geheimen Intrige" im Sinne hätten. Auf der anderen Seite existiere eine "sonderbare" Koalition, bestehend aus jenen Kräften, die vom Oppositionsführer geleitet würden und Teilen der Partei des Präsidenten Mugabe, ZANU-PF, der Zivilgesellschaft und den bewaffneten Kräften selbst.

Schlüsselpersonen

"Die Intriganten waren abwesend, als der Premierminister angelobt worden war", schreibt Cross in einem E-Mail. Schlüsselpersonen seien der Angelobung am vergangenen Freitag ferngeblieben. "Das war kein Zufall", glaubt das MDC-Mitglied. "Sie waren damit beschäftigt, Unrecht zu tun", schreibt er. Man befinde sich in einer Situation, in der eine "kleine Gruppe" die Übergangsregierung zerstören wolle. Zu dieser Gruppe gehören laut Cross der Leiter der simbabwischen Zentralbank, Gideon Gono, als Geldgeber, das Justizministerium, das die rechtliche Begründung dafür schaffe, sowie das Militär und die Polizei, die diese Strategie ausführen.

Das "Faktum" der Intrige werde vor allem durch die Inhaftierung des MDC-Mitbegründers Roy Bennett am vergangenen Freitag illustriert, meint Cross. Die "Anstifter des Putsches" hätten überall in der Regierung ihre Leute in Schlüsselpositionen und kooperierten ohne Zweifel. Cross ist der Ansicht, dass die Minister der ZANU-PF Tsvangirai bei einem Treffen mit den Führern der Region zugesichert hätten, Roy Bennett freizulassen. "Das ist nicht passiert, ob ein Befehl gegeben wurde oder nicht, Roy wurde nicht entlassen, stattdessen wurde ihm Landesverrat vorgeworfen", so der MDC-Politiker.

Situation der Pensionisten

Nach eigenen Angaben wäre Cross eigentlich der Kandidat für den "Minister der Staatsunternehmen" von Tsvangirai gewesen, er sei aber das "Opfer" des politischen Prozesses in Simbabwe geworden. Minister würden in Simbabwe nicht, wie etwa in den USA unter Präsident Barack Obama, wegen ihres professionellen Hintergrunds und ihrer Expertise ausgewählt, sondern aufgrund des politischen Einflusses. So müssten zum Beispiel Minister auch Mitglieder des Parlaments sein.

Cross machte außerdem auf die schlechte Situation der Pensionisten in Simbabwe aufmerksam. "Sie alle leben im Notstand. Viele müssen von ihren Verwandten, Freunden und speziellen Organisationen unterstützt werden", schrieb er. Er selbst habe fünf Versicherungen abgeschlossen; doch das Geld, das er bekommen habe, reiche nicht einmal für das Benzin, um zur Versicherung zu fahren. (APA)

Mugabe hat das einst blühende, fruchtbar und an Bodenschätzen reiche Land total heruntergewirtschaftet. Die Inflation in Simbabwe ist nicht mehr messbar, die Preise verdoppeln sich von Tag zu Tag. Nun wird das Land auch von einer Cholera-Epidemie heimgesucht, bei der nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher fast 3.700 Menschen umgekommen sind; 77.000 sind infiziert.

 

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