Freunde als lukrative Waren

17. Februar 2009, 18:38
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Bei "Friends for Sale" werden Menschen als Haustiere verkauft

Wien - Nicht jeder Freund ist gleich viel wert, vor allem auf Facebook. Über zwei Milliarden Dollar kostet der teuerste „Friend" in diesem sozialen Netzwerk - alles virtuell, versteht sich.

"Friends for Sale" nennt sich das Online-Spiel, das Facebook-User zusätzlich installieren können. Es ist die meistgenutzte Applikation. Ziel ist, seine Freunde als „Haustiere" an andere zu verkaufen oder zu erwerben - für virtuelles Geld. Dies wiederum erhält, wer reelles Geld bei Werbepartnern von Facebook lässt - durch Downloads von Klingeltönen oder Wallpapers.

Wer sich im Besitz eines anderen befindet, kann von diesem mit anderen Namen versehen oder dazu gebracht werden, Dinge zu tun, über die er keine Kontrolle hat. Das reicht von virtuellem Küssen und Flirten bis hin zu Schlagen und Treten. Bei Überdruss können die „Haustiere" zum Verkauf angeboten oder schlicht ausgesetzt werden.

Als der 24-jährige Siqi Chen und der 23-jährige Alexander Le am 1. November 2007 in San Francisco ihr selbst kreiertes Spiel online stellten, hatten sie wohl kaum damit gerechnet, dass es nur kurze Zeit später täglich millionenfach angeklickt werden würde.

Prompt kündigten die beiden ihre Stellung beim Suchmaschinenanbieter Powerset, um sich nun vollkommen um ihr Erstlingswerk „Friends for Sale" zu kümmern. 2008 führte das Projekt zu einer eigenen Firma, ironisch „Se_rious Business" genannt. „Wir wollen Spiele entwickeln, die die Menschen selbst zu Teilen des Spiels machen", erklärt Siqi Chen.

Die Gründer verdienen durch Internetwerbung jährlich vier Millionen Dollar. Es sind User wie Mohammed al Sabban, die „Friends for Sale" zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Er gehört zu den Usern, die sich um ihre Platzierung in den Top Ten streiten. Von diesen Listen gibt es zwei, für „Haustiere" und reiche Besitzer. Einer von ihnen ist Mohammed al Sabban. Der Libanese ist einer der bestverkauften User.

"Reflektiert den eigenen Wert"

"Ich hörte das erste Mal davon, als ich eine Einladung dazu bekam, ungefähr vor einem Jahr. Ich mochte die Idee", erklärt Mohammed. „Ich glaube, es reflektiert den eigenen Wert, darum versucht jeder, teuer und begehrt zu werden."

Doch um ein „Top Pet" zu werden, muss man viel Zeit investieren. „Anfangs verbrachte ich mindestens zehn Stunden pro Tag auf ‚Friends for Sale‘, später kürzte ich das auf vier Stunden, heute sind es nur mehr wenige Minuten", sagt Mohammed. (Mathias Huber, DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2009)

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