Bislang größtes Weltraumteleskop soll weit blicken

16. Februar 2009, 17:28
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ESA schickt im April mit einer Rakete gleich zwei Teleskope ins All - Herschel soll weit jenseits der Mondbahn seine Arbeit verrichten, Planck beobachtet das junge Universum

Darmstadt - Die europäische Weltraumagentur ESA will in diesem Jahr gleich zwei Weltraumteleskope ins All schicken. Beide sollen sehr weit entfernte Objekte ins Hightech-Auge fassen und so bis an die Anfänge des Universums blicken.

Das Herschel-Teleskop wird mit einem Dreieinhalb-Meter-Spiegel und über drei Tonnen Startgewicht das größte je in eine Umlaufbahn um die Erde gebrachte Teleskop sein. Seine Aufgabe besteht darin, bislang beispiellose Einblicke in das sogenannte kalte Universum zu liefern. Das Instrument beobachtet das All vor allem im Infrarotbereich, dadurch ist es in der Lage auch durch kosmische Staub- und Gaswolken zu blicken.

Geparkt wird Herschel am sogenannten zweiten Lagrange-Punkt, rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - also weit jenseits der Mondbahn. Das rund eine Milliarde Euro teure Projekt soll mindestens drei Jahre betrieben werden. Die Lebensdauer des siebeneinhalb Meter langen röhrenförmigen Teleskops ist durch seinen Vorrat an flüssigem Helium begrenzt, das zum Kühlen der empfindlichen Instrumente benötigt wird.

Plancks Blick ins junge Universum

Mit 4,2 Metern Höhe und einem Startgewicht von knapp zwei Tonnen ist das Planck-Teleskop das kleinere Instrument des Tandems. Benannt nach dem deutschen Physiker und Nobelpreisträger Max Planck soll das Gerät die kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich beobachten. In dieser Strahlung sehen die Wissenschaftler den Rest des Urknalls bei der Entstehung des Universums.

Planck soll diese Strahlung präziser vermessen als jeder vorangegangene Satellit und dadurch bis in die extreme Frühphase des Weltalls blicken können, als dieses nur 380.000 Jahre alt war. Die voraussichtliche Lebensdauer von Planck beträgt nur 15 Monate, ist aber möglicherweise erweiterungsfähig. Wie bei Herschel ist sie davon abhängig, wie lange die Instrumente gekühlt werden können. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf rund 600 Millionen Euro.

Start im April

Die beiden Teleskope werden voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte mit einer einzigen Ariane-Rakete in ihre Umlaufbahnen befördert, sagte Projekt-Betriebsleiter Manfred Warhaut im Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Konstruiert und zusammengebaut wurden die Instrument von einem Industriekonsortium, an dem von deutscher Seite EADS Astrium in Friedrichshafen beteiligt ist. (APA/Reuters/red)

  • Wenn der Start im April und die anschließende sechsmonatige Reise zum zweiten Lagrange-Punkt glückt, dann wird das Herschel-Teleskop das größe Weltraumteleskop im All sein.
    foto: esa/aoes medialab/nasa

    Wenn der Start im April und die anschließende sechsmonatige Reise zum zweiten Lagrange-Punkt glückt, dann wird das Herschel-Teleskop das größe Weltraumteleskop im All sein.

  • Das rund zwei Tonnen schwere Planck-Teleskop soll kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich beobachten.
    foto: esa/aoes medialab

    Das rund zwei Tonnen schwere Planck-Teleskop soll kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich beobachten.

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