Erfolg in Deutschland lässt Branche hoffen

16. Februar 2009, 17:46
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Studie: Kleinwagen­boom ist Chance in Krise

Während in Österreich Autoindustrie und Zulieferer weiter auf Kurzarbeit setzen (bei Magna sind es bereits 4000 Mitarbeiter), kommen aus Deutschland Signale, die für die Autobranche Lichtblicke in der Krise sein könnten: Durch die 2500 Euro "Abwrackprämie" , die Berlin für bis zu 600.000, mindestens neun Jahre alte Autos beim Kauf eines Neuwagens bis Jahresende ausbezahlt, hat sich die Nachfrage vor allem nach Kleinwagen deutlich erhöht. Opel etwa hat deswegen teilweise bereits die Kurzarbeitsmodelle wieder ausgesetzt.

Eine an der TUWien präsentierte Studie sieht deswegen die Produktionsstandorte in Osteuropa gut aufgestellt, weil dort vor allem Kleinwagen hergestellt werden. Heimischen Zulieferern empfiehlt man eine Ausrichtung nach Osten.

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Wien/Rüsselsheim/Detroit - Während am Montag der Kfz-Zuliefererkonzern Magna bekanntgegeben hat, dass in den Werken in Graz-Thondorf (Autoproduktion) und Albersdorf bei Gleisdorf (Großpressteile) die Kurzarbeit für insgesamt bis zu 4000 Mitarbeiter bis Ende Oktober verlängert werde, kommen auch gute Nachrichten für die leidende Autoindustrie - jedoch nur für jene in Osteuropa: Eine am Montag vorgestellte Studie des Fraunhofer-Instituts geht davon aus, dass sich die Branche ab 2010 wieder erholt.

Die Fahrzeugindustrie der CEE-Region werde "deutlich weniger betroffen als Westeuropa" sein, sagte Wilfried Sihn, Leiter der Fraunhofer Austria Research GmbH. Dies, weil in Osteuropa mehr Kleinwagen als große Limousinen erzeugt werden. Diese erfreuten sich derzeit auch in Westeuropa - nicht zuletzt dank der Abwrackprämie in Deutschland - stärkerer Nachfrage. Das Fraunhofer-Institut erwartet deswegen trotz aktueller Krise, dass in der Region bis 2012 sieben Millionen Fahrzeuge jährlich hergestellt werden. 2008 waren es 5,4 Millionen. Vor allem der russische Markt werde trotz allem dynamisch bleiben, heißt es.

Für österreichische Zulieferbetriebe sieht Sihn Potenzial in Osteuropa, derzeit würden sich die Firmen noch zu stark nach Westen orientieren. Es zeigte sich, dass zwar die internationalen Top-100-Zulieferer insgesamt über 400 Produktionsstätten in den CEE-Ländern verfügen, 65 Prozent der Teile aber nach wie vor aus den EU-15 kommen, geht aus der Studie hervor. In Hinkunft dürften große Hersteller, die im CEE-Raum produzieren, deshalb mehr auf Zulieferer an Ort und Stelle setzen, um Transportkosten zu sparen.

Dieter Schäfer, Vorsitzender der Arge Automotive Zulieferindustrie, sagt, durch die derzeit zögerliche Kreditvergabe der Banken sei es jedoch für die klein- und mittelständische Industrie nicht möglich, eine Expansion in neue Märkte zu finanzieren.

Deutsche Länder wollen Opel

In Deutschland bekam etwa GM-Tochter Opel zuletzt positive Impulse durch die Abwrackprämie (2500 Euro pro Altfahrzeug und Neuwagenkauf; zum Vergleich: In Österreich sind es 1500 Euro, davon 750 vom Staat, siehe auch nebenstehenden Artikel) zu spüren: In der Vorwoche wurde die Kurzarbeit im Werk Eisenach in Thüringen, wo vor allem Kleinwagen hergestellt werden, ausgesetzt.

Die Schwierigkeiten der US-Mutter veranlassen die deutschen Bundesländer nun außerdem, Pläne zur Herauslösung Opels aus dem General-Motors-Konzern zu schmieden: Jene Länder, in denen Opel-Werke stehen, überlegen laut mehreren deutschen Medienberichten einen Einstieg mit Hilfe der Regierung beim Autohersteller (Opel gehört seit 1929 zu GM).

In den USA soll Präsident Barack Obama indessen von der Idee eines Regierungsbeauftragten für die marode Autoindustrie ("Car czar" ) abgehen und stattdessen eine spezielle "Taskforce" einrichten, berichten Medien. Finanzminister Timothy Geithner und der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats der USA, Lawrence Summers, sollen die Gruppe leiten. GM und Konkurrent Chrysler sehen heute, Dienstag, einer Deadline entgegen, bis zu der sie der Regierung Restrukturierungspläne vorlegen müssen, um die zuletzt gewährten Staatshilfen in Höhe von 17,4 Milliarden Dollar zu rechtfertigen.

An der Börse in Frankfurt machte am Montag die BMW-Aktie einen Sprung. Zwei Nachrichten dürften diesen verursacht haben: So wurde ein Ausbau der technischen Zusammenarbeit mit Hauptkonkurrenten Daimler (Mercedes-Benz) kolportiert, andererseits berichteten die Bayern, dass das britische Tochterunternehmen Mini (ein bisheriger Umsatztreiber) 850 Mitarbeiter am Standort Cowley bei Oxford abbaut und kürzer arbeitet. (szem, Reuters, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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