Polizeipräsenz löst Stadion­gewalt aus, sagen Fans

14. Februar 2009, 17:59
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119 Menschen wurden in der vergangenen Fußballsaison bei Zwischenfällen verletzt. Selbst friedfertige Fans geben der Exekutive eine Mitschuld

Wien - Die Polizei ist ein Unsicherheitsfaktor - zumindest in den Augen der Fußballfans. Zu diesem Schluss kommt die erste Studie zum Thema "Fußball und Sicherheit in Österreich" , die am Freitag in Wien präsentiert wurde. Ein weiteres Ergebnis: Derzeit angewandte Sanktionsmaßnahmen können die Gewalt in den Stadien kaum eindämmen.

700 Interviews und 609 Online-Befragungen führten Ireen Friedrich und Bernhard Klob von der "Abteilung für Kriminologie" an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien durch. Knapp jeder zehnte Fan schätzte sich da selbst als gewaltbereit ein, 13 Prozent wurden schon einmal Opfer im oder beim Stadion. Insgesamt wurden in der Bundesligasaison 2007/08 119 Menschen verletzt, 41 davon waren Polizisten.
Woran die Sicherheitskräfte auch selbst schuld tragen - sagt zumindest die Studie. Denn zwei Drittel aller Stadionbesucher sind der Überzeugung, dass das Verhältnis zwischen Polizei und Fans wenig bis gar nicht gut ist. Diese Meinung vertreten also nicht nur gewaltbereite Randalierer, sondern auch Familienväter, die mit ihren kleinen Töchtern zum Match gehen.

Nur Fanbetreuer akzeptiert

Doch damit nicht genug: Fast die Hälfte der Befragten sind der Überzeugung, dass die Polizeipräsenz im Stadion Zwischenfälle und Ausschreitung auch mit auslöst. Nur eine Gruppe der Exekutive kommt dabei gut weg: die sogenannten "Szenekundigen Beamten" (SKB). Diese speziellen Fanbetreuer treten nicht in voller Montur auf, sondern tragen lediglich eine Warnweste. Ihre Aufgabe: Kontakt zu den Fans zu halten, zu deeskalieren und Grenzen aufzuzeigen - durch "Normverdeutlichungsgespräche" , wie es in der Sprache der Forscher heißt.
Das fruchtet naturgemäß nicht immer. Knapp 2000 Anzeigen gab es bei Kicks der höchsten Spielklasse, im Schnitt also zwei Stück pro Match. Nicht alle davon betreffen aber den direkten Gewaltbereich. Ein Sechstel sind Verstöße gegen das Pyrotechnikgesetz - also das Zünden von bengalischen Feuern oder Böllern. Gefährlich, aber beliebt, fanden Friedrich und Klob heraus. Denn 60 Prozent aller Besucher halten die Feuerwerke für eine wesentliche Komponente der Stadionstimmung.

Um notorische Unruhestifter vom Platz fernzuhalten, setzen die Vereine zurzeit immer öfter auf Stadionverbote. Wie oft und wie lange Randalierer nicht mehr ihre Heimmannschaft sehen dürfen, lässt sich aber nicht feststellen: Darüber gibt es bei den Clubs keine Aufzeichnungen. Was es nun allerdings gibt, ist eine Einschätzung der Wirksamkeit dieser Maßnahme. Die Studie ergab, dass die Personen, die ein Stadionverbot bekommen haben, darüber zwar todtraurig, aber gleichzeitig entschlossen sind, ihr Verhalten nicht zu ändern.
Die beiden Wissenschafter ziehen für die Exekutive mehrere Schlüsse aus ihrer Untersuchung: Die uniformierten Polizeikräfte sollten zwar Präsenz zeigen, aber weniger martialisch auftreten. Umgekehrt sollten mehr Szenekundige Beamte eingesetzt und ihre Stellung sollte aufgewertet werden. Mehr reden, weniger drohen also.
(Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 14.02.2009)

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    Bengalische Feuer finden Fußballfans lustig, die Polizei und die Vereine nicht. Martialisches Auftreten der Exekutive halten wiederum die Stadionbesucher für sehr unlustig.

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