Nächtens im Volksgarten

14. Februar 2009, 00:41
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Die internationalen Rosensorten werden im Winter in kuschelige Jutesäcke eingepackt

Im winterlichen Volksgarten geht es ausgesprochen multikulturell zu. Und das betrifft nicht nur die mobilen Benutzer der innerstädtischen Gartenanlage. Wie jedes Jahr sind die Stöcke der - selbstredend internationalen - Rosensorten zum Schutz gegen die Kälte in kuschelige Jutesäcke eingepackt worden. Heuer zeugen die Aufdrucke von der Herkunft der Schutzhauberln.

Und wenn man trotz der Kälte beim Schlendern durch den Volksgarten innehält und verweilt, ist man versucht, sich vorzustellen, wie das denn wäre, wenn die Säcke aller Herren Länder nächtens im gesperrten Park ihr frostiges Schweigen brechen.

"Was ist denn das für eine Stimmung hier? Los! Samba! Brasiiiiiil! Da-da-da-da-da-da-da-daaaa", würden dann die Säcke mit der Aufschrift "Café do Brasil" lossingen. "Aufhören! Lasst's uns im Kraut!", würden die Säcke der "Österreichischen Rübensamenzucht" raunzen. "Schweinekalt hier - wo sind wir da nur hingeraten?", würde sich "S. Sara Produce of Ethiopia" wundern. Darauf die "Österreichische Rübensamenzucht": "Frag doch den Inder!" Und "Hindustan Lever Limited - Produce of India": "Der nächste Frühling kommt bestimmt. Aber den werden wir hier nicht mehr erleben."

Und plötzlich Stille. Wenn der Sicherheitsdienst seine Runden dreht. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)

  • Die Rosen im Volksgarten überwintern in Jutesäcken
    der standrad/roman david-freihsl

    Die Rosen im Volksgarten überwintern in Jutesäcken

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