Plakativ mondäne Zeitreise

13. Februar 2009, 17:19
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Dem Phänomen und Faszinosum des Skisports und des Wintertourismus nachzustellen versucht anhand historischer Plakate Jenny de Gex in "Die Kunst des Skifahrens"

Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die Beekley-Collection, eine Sammlung von zwischen 1890 und 1940 publizierten, großteils im Art-déco-Stil gehaltenen Plakaten, die in ihrer Dynamik und Verknappung das öffentlich rezipierte Bild des Wintersports bis heute prägen. Nach Ländern strukturiert, zeigen die Bilder wechselnde Trends, Moden und Fahrstile, erkunden die Entwicklung der Skigebiete und erzählen nicht zuletzt von den charismatischsten Pionieren des Skilaufs wie dem Norweger Fridtjof Nansen als ein Initiator des alpinen Skisports und dem Österreicher Matthias Zdarsky, dessen Lilienfelder Skilauftechnik über drei Jahrzehnte lang gelehrt wurde. Einhergehend mit der sozialen Veränderung zu einer urbanen Bourgeoisie, dem Ausbau der Verkehrswege sowie medialen Veränderungen in Print und Film entwickelte sich eine frühe Freizeitgesellschaft. Für den internationalen Tourismus relevant wurde aber die Vermittlung des mit dem Sport verbundenen Lebensstils.

Abseits ländlicher Idylle illustrieren die von mondäner Moderne geprägten Darstellungen Frische, Dynamik, Enthusiasmus und Lebensfreude. Entgegen heutiger Reduktion auf den Skisport ist die Vielfalt diverser Wintersportarten augenscheinlich. Die historischen Plakate suggerieren in ihrer visuellen Inszenierung eine glamouröse, mondäne Welt, die längst nicht mehr existiert. Die exklusivsten Orte wie St. Moritz, Davos, St. Anton, Cortina, Vail oder Beaver Creek traten mittels Engagements namhafter Grafikkünstler wie Emil Cardinaux, Burkhard Mangold, Herbert Matter, Roger Broders, Abel Fairres, Martin Peikert oder Alfons Walde in Wettstreit touristischer wie auch kreativer Natur. Die seinerzeit unter utilitaristischem Aspekt entstandenen (Auftrags-)Werke werden heute von Sammlern als Kunstwerke geschätzt, erzielen bei Auktionen Preise bis zu 45.000 Euro. Und sich ihrer Tradition bewusste Orte nutzen auf Skipässen, Werbemitteln etc. Charme und Retro-Chic zeitloser Motive einer ehemaligen Moderne. (Gregor Auenhammer, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 14./15.02.2009)

 

Jenny de Gex, "Die Kunst des Skifahrens". € 49,90 / 160 Seiten. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2008

  • Artikelbild
    foto: regine hendrich
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