"Gott und Evolution" passen zusammen

13. Februar 2009, 14:04
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Der "Zufall" gleichsam als Hintertürchen für göttliche Eingriffe - Podiumsgespräch mit ForscherInnen in Wien

Wien - "Gott und Evolution" sind kein Widerspruch, war die einhellige Meinung von WissenschafterInnen verschiedenster Disziplinen bei einem Podiumsgespräch im Rahmen der Wiener Vorlesungen am Donnerstagabend in Wien. Laut Susanne Heine vom Institut für Praktische Theologie und Religionspsychologie der Universität Wien ist das größte Problem an der immer wieder aufflammenden Diskussion "Schöpfung oder Evolution", wenn "religiöse Fundamentalisten mit agnostischen Biologen" zusammentreffen und beide Seiten auf Beweise pochen.

Der Zufall

Für den Physiker Anton Zeilinger (Uni Wien) ist der "Zufall" gleichsam das Hintertürchen, über den selbst ein ins tägliche Leben eingreifender Gott denkbar ist. So lehrt und beweist die Quantenphysik, dass bestimmte Vorgänge zufällig und für den Menschen naturgesetzlich absolut unvorhersehbar passieren. "Der Zufall ist die Grenze der Erklärbarkeit", so Zeilinger. Auch in der in der Biologie weitgehend anerkannten Evolutionstheorie ist der Zufall ein entscheidender Faktor. Er sorgt über - zufällig entstandene - genetische Mutationen für jene Vielfalt, aus welcher die Selektion dann die am besten geeigneten Individuen für eine bestimmte Situation auswählt.

Dabei ist es für Zeilinger fraglich, warum es für einen gläubigen Menschen überhaupt nötig sein sollte, dass Gott - über den Zufall - in die Schöpfung eingreift. Denkbar wäre auch die alleinige Rolle Gottes als Schöpfer jener Naturgesetze, die schließlich zur Entwicklung des Menschen geführt haben.

Denkmodelle

Die moderne Physik bringe aber noch weitere Denkmodelle ins Gespräch. So könnten die Evolution und deren Mechanismen nicht auf die Biologie beschränkt sein. Selbst eine Evolution des Kosmos mit seinen Naturkonstanten ist möglich, eine Art pulsierendes Universum, die sich erst bis zum heutigen entwickeln musste. Auffallend ist, dass im gegenwärtigen Universum bis ins kleinste Detail alles passt, damit Leben entstehen konnte. Ob damit ein Endzustand erreicht ist, werden wir wohl sobald nicht erfahren.

"Evolution ist keine Theorie" - mit dieser Aussage versuchte der Biologe Gerd Müller (Universität Wien) Aspekte seiner Forschungen ins rechte Licht zu rücken. Für Müller ist Evolution vielmehr eine Tatsache, beruhend auf Beobachtungen. Theorien kommen erst beim Versuch ins Spiel, die beobachtbaren Veränderungen der Organismen zu erklären.

Die Frage nach dem "WIE"

Die Frage müsse daher auch nicht heißen, "ob" es eine Evolution gibt, sondern "wie" die Evolution abläuft oder wodurch sie verursacht wird. Für die Erklärung gibt es auch nicht eine Theorie, also "die Evolutionstheorie", sondern eine ganze Gruppe von Erklärungsmodellen. Diese sind auch nicht statisch, sondern laufenden Veränderungen unterworfen. Von Darwin stammt dazu jene Erkenntnis, wonach Organismen aus einander hervorgingen und -gehen.

Erst in den 1930er bis 1940er Jahren wurde durch die Wiederentdeckung der Mendel'schen Regeln und erster molekularbiologischer Erkenntnisse daraus die "Moderne Synthese" - beruhend auf Mutation und Selektion. In jüngster Zeit kommt laut Müller wieder eine Erweiterung dazu, nämlich die Frage der Komplexität, wieso ein einfacher Wurm mit der gleichen Zahl an Genen auskommt wie ein Säugetier oder der Mensch. Heute wissen die Forscher, dass die Gene auf der Erbsubstanz bei weitem nicht alles sind, mindestens ebenso wichtig ist die Steuerung dieser Gene, wann welche Kopie vervielfältigt wird und wann nicht. (APA)

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    Der Blick aus einer Erdumlaufbahn auf die Erde ... weitergedacht wäre selbst eine Evolution des Kosmos möglich.

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