Wirtschaftskrise zwingt Siemens zur Ausweitung der Kurzarbeit

13. Februar 2009, 13:27
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In Österreich noch keine Kurzarbeit, aber Urlaubs- und Überstundenabbau

Die weltweite Konjunkturkrise zwingt den deutschen Technologiekonzern Siemens zu einer drastischen Ausweitung der Kurzarbeit. Man erwarte, dass bis April rund 7.400 Mitarbeiter in Kurzarbeit sein würden, teilte Siemens mit. Ziel sei es, Arbeitsplätze zu erhalten. Derzeit seien bereits rund 4.600 der insgesamt 131.000 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit. In Österreich wird bei Siemens noch nicht kurz gearbeitet, es läuft aber eine Urlaubs- und Überstundenabbau. Eine Prognose lasse sich nicht abgeben, hieß es auf APA-Anfrage aus Wien.

Energiesektor "im Takt"

Konzern-Finanzvorstand Joe Kaeser schloss am Freitag eine Ausweitung der Kurzarbeit für Deutschland nicht aus. "Wie weit das aufrechterhalten oder ausgeweitet wird, entscheidet die Nachfrage der Kunden und wann die Konjunktur wieder anspringt", sagte er. Kurzarbeit sei ein gutes Mittel, nicht gleich mit harten Maßnahmen auf die Krise reagieren zu müssen. Das Tempo des Abschwungs habe sich rasant beschleunigt und mache sich vor allem im Industriesektor bemerkbar, etwa beim Leuchtenhersteller Osram. Dagegen sei der Energiesektor "im Takt", erklärte Kaeser.

Über die weitere Entwicklung wolle er nicht spekulieren, sagte Kaeser zu Berichten, wonach in den kommenden Monaten bis zu 10.000 deutschen Siemens-Mitarbeitern Kurzarbeit droht. Ein IG Metall-Sprecher sagte der AP, Prognosen seien kaum möglich. "Der Planungsstand kann in wenigen Stunden schon wieder überholt sein."

Gefahr

Der Siemens-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler erklärte: "Der Gesamtbetriebsrat ist sich über die Gefahr im Klaren und arbeitet jetzt mit Hochdruck daran, die Folgen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzufedern."

Siemens teilte mit, dass neben Werken in Cham, Amberg und Neustadt an der Saale vor allem Standorte von Osram betroffen seien. Das Unternehmen nutze neben Kurzarbeit auch Maßnahmen wie Arbeitszeitverkürzung, den Abbau von Überstundenkonten oder Versetzungen zwischen unterschiedlich ausgelasteten Werken zur Beschäftigungssicherung.

"Die demonstrative Zuversicht der vergangenen Wochen wird etwas relativiert"

Die Arbeitnehmervertreter zeigten sich vom Ausmaß der Kurzarbeit überrascht. "Die demonstrative Zuversicht der vergangenen Wochen wird etwas relativiert", hieß es bei der IG Metall. Zudem sei der Gesamtbetriebsrat über die Ausweitung der Kurzarbeit "nicht eben früh informiert" worden.

Derweil besorgte sich Siemens mit zwei Anleihen mit einem Volumen von insgesamt 4 Mrd. Euro frisches Geld an den Kapitalmärkten. Die Nachfrage sei riesig gewesen, erklärte Kaeser. Der Konzern sei mit den langfristigen Finanzierungen für die Krise nun gut gerüstet. (APA/dpa)

 

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