Alte Meister mit solider Performance

12. Februar 2009, 16:11
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Gewinnspannen von 1500 Prozent und mehr? Diese sind zwar auch für den internationalen Kunstmarkt eine Ausnahme, aber bei den Alten Meistern möglich

Die Welt der Alten Meister hält oft Überraschungen bereit. Im Jahr 2004 wechselte ein als "Werkstatt" beziehungsweise "Nachfolge" Frans Hals (1580-1666) bezeichnetes Ölbild beim heimischen Auktionshaus "im kinsky" den Besitzer. Statt der erwarteten 40.000 Euro hatte ein hartnäckiger Schweizer Bieter netto 440.000 Euro bewilligt. Inklusive Steuern und der Provision des Auktionshauses zahlte er 571.000 Euro für das Gemälde.

Der österreichische Verkäufer freute sich über einen Geldsegen, der immerhin mehr als das Zehnfache seiner kühnsten Träume betrug. In den folgenden Monaten wurde das Bild restauriert, bei zwei wichtigen Ausstellungen in London und Den Haag präsentiert und schließlich um eine neue Expertise ergänzt, die das Werk zweifelsfrei dem holländischen Meister zuordnet.

Goldgrube

Im Sommer 2008 glänzte der Oldie dann auf dem Cover eines So-theby's-Kataloges, als Highlight des für den 9. Juli angesetzten Sale in London sollte das auf Holz gemalte Werk zwischen 3,8 und 6,3 Millionen Euro einspielen. Der vermutlich von einer Gruppe von Kunsthändlern perfekt inszenierte Marktaufbau wurde mit einem Gewinn von satten 1558 Prozent belohnt: Das ehemalige Wiener Findelkind spielte in London stolze 8,9 Millionen Euro ein.

Natürlich sind solche Gewinnspannen und damit verbundene Wertsteigerungen selbst auf dem prosperierenden Kunstmarkt eine Ausnahme, wie dieses Beispiel zeigt - aber möglich.

Im Gegensatz zu den Spekulationskäufen im Segment Zeitgenössische Kunst gilt die Sparte Alte Meister als beständigste überhaupt. Die Gründe sind simpel: Es handelt sich um ein produktionstechnisch längst abgeschlossenes und von der Forschung relativ vollständig aufgearbeitetes Kapitel der Kunstgeschichte.

Seit Jahrzehnten überzeugen sie mit einer sehr stabilen Performance, im Gegensatz zu den derzeit angeschlagenen Zeitgenossen. Insofern wären einige New Yorker Investoren mit einem Alten Meister besser beraten gewesen. Oder wie es Tobias Meyer, Chefauktionator von Sotheby's, im deutschen Magazin Spiegel formulierte, "ich kenne nur einen Fall, wo sich ein Sammler von einem Zeitgenossen getrennt hat, um einen Frans Hals zu erwerben. Das war intelligent."

Verlässlicher Markt

Gerade angesichts der derzeitigen Marktsituation empfiehlt auch Kunstauktionator Otto-Hans Ressler, "sein Geld dort anzulegen, wo ein langsames, aber kontinuierliches Wachstum" erwiesen sei, der Markt für Alte Meister entwickle sich zwar langsamer, aber auch verlässlicher.

Kunsthistorisch umfasst dieses Gebiet hauptsächlich Bilder, die vor dem Jahr 1700 entstanden sind. In der Praxis erweitern Auktionshäuser das Angebot bis inklusive des frühen 19. Jahrhunderts. Motivisch spannt sich der Bogen von religiösen und mythologischen Themen über Porträts, Landschaften bis hin zu dekorativen Stillleben (siehe Bilderleiste).

Zu den agilsten und umsatzstärksten Tummelplätzen der Welt gehören die Metropolen London und New York. In Österreich hat sich parallel ein ernstzunehmender Nebenschauplatz für Käufer wie Verkäufer etabliert. Im internationalen Vergleich entspricht das Angebot zwar eher der Kategorie Mittelware, birgt aber auch ausgesuchte Highlights zu leistbaren Preisen und bietet damit beste Voraussetzungen, in dieses Sammelgebiet einzusteigen: Das beginnt schon in der Größenordnung von 3000 bis 10.000 Euro für qualitätsvolle Malerei aus dem Umfeld bekannter Künstler.

Wahre Schätze

Und es wäre nicht das erste Mal, würde sich ein biblisches Epos nicht als wahrer Schatz entpuppen. 2002 nahm die Wiener Niederlassung von Sotheby's einen solchen entgegen, den die Fachleute in London schließlich als echten Peter Paul Rubens (1577-1640) identifizierten.

Dem kanadischen Medientycoon Kenneth Thomson war das Gemälde "Massaker der Unschuldigen" 45 Millionen Pfund (rund 70 Millionen Euro) wert - der höchste bislang weltweit für einen Alten Meister bei einer Auktion erzielte Preis.

Steht Österreich insofern eine Sensation bevor? Am 21. April wird Kunstauktionator Otto-Hans Ressler seinem Publikum unter anderem eine Ölskizze offerieren, um die Experten seit Jahrzehnten streiten. Einiges spricht dafür, dass es sich dabei um eine Vorstudie zu dem in der National Gallery London beheimateten "Raub der Sabinerinnen" von Peter Paul Rubens handelt. Die Gebote starten bei 250.000 Euro. (Olga Kronsteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2009)

Info

Alte Meister werden in Österreich am 24. Februar und am 21. April 2009 "im Kinsky" versteigert. Unter den Hammer kommen die Werke auch im Wiener Dorotheum: vom 31. März bis 3. April. Im Kunstmesse-Mekka Maastricht findet vom 13. bis 22. März "The European Fina Art Fair" statt, wo Alte Meister gezeigt werden.

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