Kriegsverbrecher-Prozess gegen Seselj vertagt

13. Februar 2009, 10:34
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Zeugen sollen nicht angehört werden weil ihre Sicherheit nicht gewährleistet werden könne

Den Haag - Der Prozess gegen den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wird bis auf weiteres vertagt. Wie eine Sprecherin des Gerichts am Mittwoch mitteilte, entschied eine Mehrheit der Richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft, die noch etwa zehn verbliebenen Zeugen zunächst nicht anzuhören, weil ihre Sicherheit "nicht gewährleistet" werden könne. Die Zeugen hätten wichtige Aussagen zu machen, es müsse jedoch sicher gestellt werden, dass sie dies "ohne Furcht" machen könnten, fügte Nerma Jelacic hinzu.

Im Jänner hatten die Richter dem 54-jährigen Seselj Missachtung des Tribunals zur Last gelegt, weil er in einem von ihm verfassten Buch die Namen dreier geschützter Zeugen der Anklage preisgegeben hatte. Seselj muss sich seit November 2007 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Die Anklage wirft ihm vor, gemeinsam mit dem verstorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic zwischen 1991 und 1993 "ethnische Säuberungen" in Bosnien, Kroatien und Serbien zugunsten eines "Großserbischen Staats" angestrebt zu haben. Das Führungsmitglied der von ihm gegründeten Serbischen Radikalen Partei hatte sich 2003 freiwillig dem Tribunal gestellt. (APA/AFP)

 

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