In seinem Haus Israel ist nur für Rechte Platz

11. Februar 2009, 18:56
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Avigdor Lieberman macht seine Partei zur drittstärksten

Hätte Avigdor Lieberman nicht Karriere gemacht, dann wäre heute in Israel wohl alles klar und Benjamin Netanyahu der unbestrittene Anwärter auf das Premiersamt. Aber so sind einige Hardcore-Rechtswähler gleich zu dem gegangen, den sie für den Schmied halten - Schmiedl Bibi kam hinter Nummer eins Zipi Livni ins Ziel. Und Lieberman ist jetzt das recht kräftige Zünglein an der Waage.

Dabei stammen beide, Netanyahu und Lieberman, aus demselben politischen Stall. Der spätere Gründer von „Israel Beitenu" („Israel ist unser Haus") verdiente sich _seine ersten Sporen während seiner Studentenzeit (B.A. in Sozialwissenschaften) als Parteiaktivist beim Likud. Er war als 20-Jähriger 1978 aus Chisinau (im damals sowjetischen Moldau) kommend in Israel eingewandert und hatte sich zuerst durch alle möglichen Jobs - unter anderem als Rausschmeißer in einem Nachtklub - durchgebracht.

Der Aufstieg war für den jungen „Russen", dessen Familie zu jenen Juden gehörte, denen die UdSSR die Emigration gestattete, bestimmt hart. Sein Vater trug eine typische, schreckliche Biografie dieser Zeit mit sich: Gefangener der Deutschen als Soldat der Roten Armee und später in einem Gulag Stalins in Sibirien. Dort lernte er seine Frau kennen. Evet - Avigdor wurde er erst in Israel - wurde 1958 geboren.

Liebermann war ab 1993 Verwaltungschef im Likud, ab 1996 für eine kurze Zeit Premier Netanyahus Bürochef. 1999 hatte er vom rechten Mainstream genug, gründete „Israel Beitenu" und führte einen in der öffentlichen politischen Kultur Israels bisher fremden Ton ein. Für die israelischen Araber imaginiert er eine Ausbürgerung (allerdings samt Land), um die „fünfte Kolonne", die sie seiner Meinung nach darstellen, loszuwerden. Er selbst lebt im Westjordanland in einer jüdischen Siedlung mit seiner Frau Ella, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hat.

Seine regelmäßigen rechtsradikalen Ausfälle waren kein Hinderungsgrund für die Teilnahme an drei Regierungen seit 2001. Der Kadima kündigte Lieberman erst 2008 die Koalition auf, aus Protest gegen deren Gespräche mit den Palästinensern. Untersuchungen gegen ihn wegen Betrugs, Unterschlagung und Geldwäsche bezeichnet er als politisch motiviert.
Lieberman kommt überdurchschnittlich gut bei der Jugend an, die sich offenbar nicht daran stört, dass Meinungsfreiheit in seiner Ideologie kein hohes Gut ist. So sollte Kritik an der Gaza-Offensive, ginge es nach ihm, mit einer Einschränkung der Bürgerrechte geahndet werden. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2009)

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