Berlin prüft etwaige Fehler deutscher Stellen

11. Februar 2009, 16:35
posten

Wiesenthal-Zentrum: Schon 1981 Hinweise auf Kairo-Aufenthalt

Berlin/Jerusalem/Wien - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat dem deutschen Außenministerium im Fall des berüchtigten KZ-Arztes Aribert Heim Versagen vorgeworfen. Efraim Zuroff, der Leiter des Jerusalemer Büros, forderte das Außenamt in Berlin am Mittwoch auf, die Vorgänge zu untersuchen. Er hielt den deutschen Stellen vor, im Fall Heim jahrelang nichts unternommen zu haben, obwohl dessen Aufenthalt der deutschen Botschaft in Kairo offenbar schon in den 80er Jahren bekanntgewesen sei. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin, die Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums würden "sehr ernst" genommen. "Wir werden dem gründlich nachgehen."

Laut Zuroff erfuhr die deutsche Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo höchstwahrscheinlich schon 1981, dass Heim in Kairo lebte. Damals habe er nach Recherchen des ZDF dort mit Hilfe seiner deutschen Passnummer seine Aufenthaltsgenehmigung verlängert. Eigentlich hätte den Beamten auffallen müssen, dass Heim gesucht wurde, erklärte Zuroff. Spätestens aber beim angeblichen Tod Heims 1992 hätte die Botschaft "wach werden müssen", da nach Angaben von Zeugen ein Vertreter der Botschaft an Heims Sterbebett gerufen worden sei.

Der gebürtige Österreicher Heim wurde seit Jahrzehnten wegen des Mordes an hunderten Gefangenen des Konzentrationslagers Mauthausen während des Zweiten Weltkrieges gesucht. Nach den Recherchen von ZDF und "New York Times" starb der zuletzt in Südamerika vermutete Heim bereits am 10. August 1992 in Kairo an Darmkrebs. Zur Tarnung sei er Anfang der 1980er Jahre in Kairo zum Islam konvertiert und habe den Namen Tarek Farid Hussein angenommen. Heim hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Deutschland als Arzt praktiziert. Als ihm die Verhaftung im Zuge eines österreichischen Haftbefehls drohte, floh er 1962.

Bis zuletzt waren das Wiesenthal-Zentrum und deutsche Fahnder davon ausgegangen, dass Heim sich in Südamerika versteckt hält. Zuroff hatte die Bemühungen der deutschen Behörden im Fall Heim vorige Woche noch gelobt. Die Deutschen hätten "sehr hart an der Ergreifung Heims gearbeitet", sagte Zuroff der "Wiener Zeitung", anders als Österreich, das "so gut wie völlig untätig geblieben" sei.

Der deutsche Botschafter in Kairo, Bernd Erbel, sagte bereits bei Bekanntwerden der Recherchen von ZDF und der "New York Times", für ihn und seine Mitarbeiter sei "Doktor Tarek" ein Unbekannter. Für den Nazi-Arzt wäre das Risiko viel zu hoch gewesen, Kontakt mit der Botschaft aufzunehmen. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hatte zwar von Hinweisen in den 60er Jahren gesprochen, wonach Heim in Ägypten sei; Überprüfungen der ägyptischen Behörden hätten dies aber nicht bestätigt.

In Ägypten hatte es während des Zweiten Weltkriegs große Sympathien für Nazi-Deutschland gegeben, weswegen viele Nazis dort untertauchen konnten. "Die Untersuchung sollte sich auch auf andere NS-Täter erstrecken, die in Ägypten Unterschlupf fanden", forderte Zuroff das deutsche Außenamt nun auf. (APA/AFP)

Share if you care.