Drei Jahre älter - in nur drei Minuten

11. Februar 2009, 15:17
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Mit manipulierten Ausweiskopien oder online bestellten Ausweisen ist Volljährigkeit ohne Altern möglich

Die Anzeigen gegen diesen Betrug unter Jugendlichen steigen an, doch viele kommen ungeschoren davon.

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Wien - Katrin (15) freut sich. Sie kommt lächelnd mit einer Karte in der Hand aus einem Reisebüro. Ab heute kann sie mit ihren Freunden in die Disco gehen und trinken, was sie will. Denn sie ist endlich 18, wenn auch nur auf ihrem neuen gefälschten Ausweis.

Im Reisebüro können Jugendliche innerhalb von fünf Minuten volljährig werden, dort erhalten sie die sogenannte "Student Card" mithilfe einer Passkopie oder eines Schülerausweises. Der Schülerausweis ist, solange er aus Papier besteht, leicht zu fälschen, da die Daten handgeschrieben sind - die sich durchsetzenden Plastikkarten machen das viel schwieriger.

Bei der Passkopie ist es hingegen leichter, es ist nur ein wenig Computerverständnis gefragt. Mit Programmen wie Paint oder Photoshop werden die Ziffern des Geburtsdatums so verschoben, dass die Kombination die Volljährigkeit vortäuscht. Das Fälschen der Ausweise ist unter Jugendlichen ein steigender Trend, die Anzahl der gemeldeten Vergehen steigt seit Jahren konsequent an. 2001 wurden 58 Jugendliche angezeigt, 2005 waren es schon 177, 2008 wurden 359 Jugendliche des Vergehens bezichtigt.

Die meisten kommen allerdings völlig ungeschoren davon. "Natürlich kommt es auch vor, dass wir Personen wegschicken, wenn wir merken, dass etwas nicht stimmt", sagt die Geschäftsführerin eines Reisebüros im ersten Wiener Gemeindebezirk. Allerdings würden die besagten Personen nicht angezeigt werden.

Eine weitere Option stellen Internetseiten dar, auf denen Jugendliche Ausweise für rund 30 Euro beantragen können, ohne dass die angegebenen Daten überprüft werden. Diese Internetseiten sind legal, doch falls diese Ausweise falsche Informationen enthalten, ist der Gebrauch im Rechtsverkehr strafbar. "Die Strafe ist aber nur sehr gering, da das Delikt unter Täuschung fällt", sagt der Pressesprecher des Bundeskriminalamts, Armin Halm.

Bis zum Freiheitsentzug

Bei Dokumentenfälschung sieht es anders aus: Da man bis zum Alter von 14 Jahren nicht strafmündig ist, gibt es keine Strafe. Erst danach können sich Jugendliche bis zur Volljährigkeit eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu sechs Monaten einhandeln.

Oft sind Fälschungen sehr schwer zu erkennen. Vor allem bei im Internet bestellten Ausweisen ist es fast unmöglich festzustellen, ob die Angaben der Wahrheit entsprechen. Es gibt aber auch Wege, Fakes aufzudecken. "Stimmt die Schriftart nicht komplett mit dem Rest überein, kann man misstrauisch werden", erklärt Christoph Seifert, Experte für Betrug und Dokumentenfälschung. "Gefälschte Plastikausweise erkennt man daran, dass sich das Plastik leicht vom Papier lösen lässt."

Nachtclubbesitzer verweisen auf die Kenntnisse ihrer Türsteher. "Mein Türsteher kennt sich damit gut aus", heißt es auf Nachfrage bei der Wiener Discothek Empire. Dort sind wie in anderen Locations die Regeln klar: Eintritt ab 16, Alkohol ab 16 oder 18.

Von Ungeduld gepackt, probieren es Jugendliche auf dem illegalen Weg. "Ich will einfach Spaß haben und mit meinen etwas älteren Freunden ausgehen", erklärt Anna (15). Auf die Frage, ob sie immer in Discotheken hineinkommt, antwortete sie: "Es kommt auf den Türsteher an. Manchen reicht die - in meinem Fall gefälschte - Passkopie nicht. Im Normalfall gibt es aber keine Probleme." Wie vielen anderen sind ihr die Konsequenzen nicht bewusst. "Darüber mache ich mir nicht so viele Gedanken", meint sie. (Elisabeth Dottolo, Victoria Neiger, Sophia Höttinger/DER STANDARD Printausgabe, 11. Februar 2009)

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Fake-ID

Wissen: Bei frischer Fälschung ertappt

Nicht jeder Minderjährige kommt mit der erschwindelten Volljährigkeit unentlarvt davon. Bei Urkundenfälschungen ist in den Jahren 2001 bis 2008 ein drastischer Aufschwung von ermittelten Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 18 Jahren zu verzeichnen.

Bestraft wird das Vergehen nach dem Paragrafen 223 des Strafgesetzbuches. Im Jahr 2001 wurden 58 Jugendliche angezeigt, 2002 waren es schon 98, 2003 101. Diese Zahl verdreifachte sich bis 2008. Von 128 Tatverdächtigen 2004 über 177 (2005) und 343 (2007) stieg die Anzahl der gemeldeten Vergehen unter Minderjährigen auf 359 im vergangenen Jahr 2008.

Geringer sind die Fälle von Jugendlichen, die wegen der Weitergabe ihres und der Annahme fremder Ausweise angezeigt wurden. Während es 2004 sieben Fälle waren, stieg die Zahl 2008 auf 14 Fälle. (red)

  • Die Kopien am Computer nach Wunsch verändern - diese Art des Betrugs
wird unter Jugendlichen immer populärer. Die Fälschungen aufzudecken
ist schwierig, die Strafen sind hoch.
    foto: standard/valentin klos, elisabeth dottolo

    Die Kopien am Computer nach Wunsch verändern - diese Art des Betrugs wird unter Jugendlichen immer populärer. Die Fälschungen aufzudecken ist schwierig, die Strafen sind hoch.

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