Der Betroffene

10. Februar 2009, 19:03
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Nach und nach jedoch, wenn wir zufällig bei Stefan Raab vorbeizappen, häufen sich die Augenblicke, da wir meinen - ja, der Raab ist zu ertragen

Es mag noch dauern, bis wir ihn ganz ins Herz geschlossen haben, bis wir regelmäßig bei ihm vorbeischauen und seinen überdrehten Kreischstil als Wohlklang empfinden. Nach und nach jedoch, wenn wir zufällig bei Stefan Raab vorbeizappen, häufen sich die Augenblicke, da wir meinen - ja, der Raab ist zu ertragen.

Kürzlich hatte er Pianist Lang Lang zu Gast. Und trotz des (nicht nur für Raab-Verhältnisse) sehr höflichen Umgangstons blieb das Frage-Treffen frei von Verkrampfung: "Wie früh haben Sie angefangen zu spielen?" - "Wann hatten Sie Ihr erstes Konzert?" - "Ist es grundsätzlich zu spät, mit 15 anzufangen?" - "Können Sie andere Instrumente spielen?" - "Wie spricht man Ihren Namen richtig aus?" Was Raab vom Virtuosen wissen wollte, ergab immerhin einen soliden Fragebogen, der Nichtspezialisten bediente. Und da Lang Lang, Profi der Höflichkeit, nicht einschlief und ob der Fragen, die er schon einige Billionen Mal gestellt bekommen hat, keinen Déjà-vu-Kollaps erlitt, schritt er zum Klavier und donnerte eine Chopin-Polonaise hin.

Und siehe da! Gar Spuren bewundernder Betroffenheit waren an Raab erkennbar. Sympathisch, wobei: Mit der Zurückhaltung sollte es Raab nicht übertreiben. Ein Versuch, vierhändig am Klavier ins Gespräch zu kommen, hätte noch drin sein müssen. Schließlich hat Raab auch schon gegen Profidamen geboxt. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD; Printausgabe, 11.2.2009)

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    Stefan Raab.

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