"Unternehmer"

10. Februar 2009, 18:30
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Das sind nicht mehr nur Fabriksbesitzer mit dicker Zigarre, sondern Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen

In der SPÖ murrt man in der Nachbearbeitung der nun auf der Klausur beschlossenen Steuerreform, Finanzminister Pröll habe Entlastungen "für die ÖVP-Klientel" durchgesetzt. Gemeint sind erhöhte Steuerfreibeträge für Selbstständige.

Auch die Arbeiterkammer regt sich hier furchtbar auf. Nur geht diese Betrachtungsweise von einem antiquierten Unternehmerbild aus, das mit der Realität wenig zu tun hat. "Unternehmer" ist nicht mehr allein der Fabriksbesitzer mit seiner dicken Zigarre, sondern das sind inzwischen hunderttausende kleine Selbstständige, Ein-Personen-Firmen, Werkvertragler aller Arten, junge Akademiker, die noch nicht oder "freigesetzte" Ältere, die nicht mehr angestellt werden; IT-Experten mit kleinem Dienstleistungsbetrieb, Gebrauchsgrafiker, die Altenbetreuerin, der oder die "outgesourcte" Techniker(in), im Übrigen auch immer mehr Journalisten. Im Grunde Leute in prekären Arbeitsverhältnissen, jedenfalls oft unfreiwillige "Unternehmer". Ob die alle zur VP-Klientel gehören? Für sie (die kein steuerbegünstigtes 13. und 14. Gehalt und keine großen Absetzposten haben) war jedenfalls eine Steuerentlastung mehr als argumentierbar. (Hans Rauscher/DER STANDARD Printausgabe, 11. Februar 2009)

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