Mordauftrag und ein Schuss ins eigene Knie

10. Februar 2009, 11:00
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Russischer "Mafiapate" soll Auftrag erteilt haben, ehemaligen Partner umzubringen - Mit Video

Wien - Im August 2004 ging Herr G. zur deutschen Polizei und berichtete: Er habe den Auftrag erhalten, den gebürtigen russischen Geschäftsmann M. und dessen ehemaligen Geschäftspartner R. in Wien umzubringen. Als die beiden Zielpersonen informiert wurden, suchte R. flugs um Polizeischutz an. M. aber meinte nur: Er könne sich schon selber schützen.

Jetzt sitzt M. selbst auf der Anklagebank, er wurde im Februar 2008 festgenommen. "Es klingt wie ein billiger Mafiakrimi - ist aber die bittere Wahrheit", sagt Staatsanwältin Michaela Schnell. Sie wirft M. vor, dass er selbst den Mord beauftragt habe. R. sollte sterben - dann sollte der Killer ihn selbst ins Bein schießen. Später sei der Auftrag abgeändert worden: Statt dem Beinschuss sollte lediglich sein Mercedes in der Garage in die Luft gejagt werden - um den Verdacht vom Angeklagten abzulenken.

Denn die Geschäftspartner hatten sich zuvor im Unfrieden getrennt. Laut Staatsanwaltschaft hatte R. eine offene Provision von mehr als 200.000 Euro bei M. eingefordert. Und er habe gedroht, andernfalls in einem Finanz-Strafverfahren gegen ihn auszusagen.

Dieses Verfahren läuft gegen beide - schon seit 2000. M. war gemeinsam mit R. im Import-Export-Geschäft mit Russland tätig. Im großen Stil. M. sagt, in den Firmen, die R. und seine Familie "in ihrer Gewalt hatten", sei Mehrwertsteuer hinterzogen worden. Deshalb habe er sich von ihm getrennt. Er selbst habe "nur" beim Export an den Grenzen zur Ukraine und nach Russland falsche Rechnungen vorgelegt, auf denen lediglich zehn Prozent des echten Wertes der Waren angegeben waren - um die exorbitant hohen Abgaben zu sparen. Das sei seine "Dienstleistung" gewesen und für Österreich strafrechtlich nicht relevant.

Den Mordauftrag, der ihm vorgeworden wird, bestreitet M. vehement. Laut Staatsanwältin Schnell soll er mit seinem Anliegen zu einem weiteren Geschäftspartner gegangen sein. Der wiederum habe jenen Herrn G. angeheuert und ihm 50.000 Euro für den Mord und 50.000 weitere für den Beinschuss versprochen. Dieser wiederum soll einen Veteranen aus dem Afghanistan-Krieg angeheuert haben. Jener sei sogar schon nach Innsbruck gereist, soll dann aber wegen zu geringer Gage abgelehnt haben.

Verdeckte Identität

Die Zeit drängte. Die Aussage R.s im Finanzstrafverfahren sei unmittelbar bevorgestanden. Es wurde auf G. Druck ausgeübt, er solle den Mord rasch ausführen. Da wandte er sich an die Polizei und lebt nun mit einer verdeckten Identität.

M. - einst ein Vorzeigestudent der damaligen UdSSR - kennt den ganzen Aktenberg auswendig und wirft bei seiner Einvernahme mit Seitenzahlen um sich: "Lesen Sie nach: Ordnungsnummer 215, Aktenseite 217!" Richterin Bettina Neubauer bleibt gelassen: "Sie sollen hier nicht Beweise würdigen, sondern Fragen beantworten.

M.s Verteidiger Harald Schuster ortet Erhebungsfehler - so sei etwa ein E-Mail, das den Kontakt M.s zu einem Auftraggeber beweisen soll, einer falschen Person zugeordnet worden. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage anberaumt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 11.2.2009)

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