Ursulix contra Verleihnix

9. Februar 2009, 19:12
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Um dem kleinformatigen Schundheft des alten Fischhändlers mit seinen angegammelten Artikeln "im Land der Tänzer und Geiger" etwas entgegenzusetzen, wurde nun ein noch kleinerformatiges "EU-Schundheftl" ins Leben gerufen

Im Land der Tänzer und Geiger lebt eine Sängerin, die nicht müde wird, das Hohelied der EU in allen Tonarten, begleitet von allen verfügbaren Instrumenten, zu singen. Um die Zahl der verfügbaren Instrumente um eines zu vermehren und dem kleinformatigen Schundheft des alten Fischhändlers mit seinen angegammelten Artikeln im Land der Tänzer und Geiger etwas entgegenzusetzen, wurde nun ein noch kleinerformatiges EU-Schundheftl ins Leben gerufen, in dem es naturgemäß um all jene unwahren Geschichten, bösen Gerüchte und bewussten Falschinformationen geht, die unverdrossen in die Welt gesetzt werden. Die EU als Wasserräuberin, die EU als Identitätsklau, die EU als Salzstanglverbieterin.

Solchen Schund mit einem Schundheftl zu bekämpfen, erscheint als eine homöopathische List, des Schweißes der Edlen wert, wo sachliche Argumentation an einem Fischhändler mit naturgemäß fischigen Geschäftsinteressen abperlt, wie Tran an Latex. Dass die Sängerin inzwischen in den Nationalrat abgeschoben wurde, um dem alten Verleihnix ihren Gesang zu ersparen, weil manche sich erhoffen, dass seine Fische dann besser riechen, zeugt vom Triumph des Fischhandels über die Kunst des Möglichen. Und vom Versuch, die EU-Informationspolitik der Regierung auf der Basis eines leicht verzweifelten Humors fortzusetzen, zeugt es, wenn die Sängerin in dem Schundheftl gleich in einen Ursulix gegendert wird.

Dass der Dolfi Fartin des Schundheftls mindestens ebenso gut reimt, wie der Hausdichter des Fischhändlers, hätte man auch ohne den speziellen Hinweis, was to fart bedeutet, geglaubt. Jetzt lassen wir diese tschechischen Anfänger auch noch die ganze EU regieren, beschwert sich ein Prof. Siegfried Woprschalek, Knittelfeld - in den Spalten Das freie Wort würde er mit seinem freien Wörtl gar nicht auffallen. Nicht einmal die ernst gemeinte Enthüllung des Schundheftls über das Schundheft kann noch verwundern. In der aus dem Hinterzimmer der Macht sorgfältig gesteuerten Leserbriefrubrik ging es so zu: Franz Weinpolter aus Wien verfasste im vergangenen Jahr gezählte 137 unbezahlte Beiträge. Franz Köfels aus Völs steuerte 121 Gratis-Kolumnen bei. Helmut Kafka aus St. Pölten brachte es auf 79 Einwürfe. Stephan Pestitschek aus Strasshof teilte immerhin 61-mal seine Meinung mit uns. Man versteht diese Auflistung besser, wenn man sich erinnert, dass besagter Ursulix, als er noch Ursula hieß und nicht Sängerin war, sondern Außenministerin, gerade einmal im Kleinformat zu Wort kam, und da wurde ihr Brief nicht nur verstümmelt, sondern auch mit einem Rüffel des Herausgebers versehen. Die Herren Gusenbauer und Faymann waren da schlauer. Sie orientierten sich an Weinpolter als Briefsteller: Nur immer dem Geruch des Fischhandels nach. Das Schundheftl Nr. 1 erscheint unter der Patronanz der Sängerin, zu erhalten in Buchhandlungen.

Apropos Schund: FPÖ-Führer Strache will erst vor kurzem erfahren haben, was der Neonazi-Code "88" bedeutet. Das kommt davon, weil er sein Schundheftl nicht liest. Der letzten Nummer von "Zur Zeit" lag auch der Buchdienst des Blattes bei. Da gab es so Erlesenes im Angebot wie: SS-Sturmbataillon 500 am Feind. Weg und Kampf einer legendären Einheit der Waffen-SS. Die SS ist überaus beliebt. Im Angebot: Russen in der Waffen-SS. Esten in der Waffen-SS. Ukrainer in der Waffen-SS. Felix Steiner - General der Waffen-SS und seine europäischen Freiwilligen. Tulle und Oradour. Die Wahrheit - na endlich! - über zwei Vergeltungsaktionen der Waffen-SS. Als echte Erweiterung des Horizonts: Verratene Verräter. Die Schuld des "Widerstandes" an Ausbruch und Ausgang des Zweiten Weltkrieges. Oder: Geheimsache BRD. Beweise zur Nichtexistenz der Bundesrepublik Deutschland.

Auch audiovisuell hätte sich Strache an herrlichen CDs längst emporranken können. Da gibt es nicht nur das Wunschkonzert der Wehrmacht, sondern auch: Großkundgebung in einem Berliner Rüstungswerk. Hitlers Ansprache vom 10. 12. 1940 - für jeden Bierzeltredner unverzichtbar! Ferner lagernd: Elitesoldaten gegen den Bolschewismus. Beantwortet wird auch die Frage: Wer wollte den Krieg? Und zwar bei der Kundgebung im Berliner Sportpalast zum 7. Jahrestag der Machtübernahme der NSDAP. Reden des Führers.

Verloren in diesem Wust von Aufklärung findet sich auch das Werk: Die Hauptepochen der französischen Erotik. Da kann man was für den Disco-Besuch lernen. Wenn Strache nur das gelesen hat - wen wundert 's, dass er lange nicht wusste, was "88" bedeutet? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 10.2.2009)

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