"Limit beim 20-Fachen"

9. Februar 2009, 18:02
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Dass Vorstände - wie derzeit im Börsen-Leitindex ATX - das 48-Fache ihrer Belegschaft verdienen, ist Heinz Leitsmüller zu viel

Dass Vorstände - wie derzeit im Börsen-Leitindex ATX - das 48-Fache ihrer Belegschaft verdienen, ist Heinz Leitsmüller (AK-Wien) zu viel, sagt er zu Karin Bauer. Und: Was die Arbeiterkammer noch ändern möchte.

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STANDARD: Gehören Managergagen gedeckelt?

Leitsmüller: Ja. Derzeit verdienen Vorstände in den heimischen ATX-Unternehmen rund 48-mal so viel wie der Durchschnitt ihrer Belegschaft. Wir wollen, dass die steuerliche Absetzbarkeit der Vorstandsbezüge mit dem maximal 20-Fachen der Durschschnittseinkommen begrenzt wird. Dieses Limit wäre derzeit bei rund 540.000 Euro.

STANDARD: Das heißt Änderungen im Einkommensteuergesetz?

Leitsmüller: Ja, dort gehört das festgelegt.

STANDARD: Und das leidige Thema der "stock options"?

Leitsmüller: Wir begrüßen, dass "stock options" nicht mehr steuerlich begünstigt werden. Darüber hinaus sind sie aber insgesamt kein taugliches Mittel für die Vergütung des Managements.

STANDARD: Also weg von der Gewinnorientierung bei den Bonifikationen?

Leitsmüller: Ja. Vor allem weg von der Kurzfristigkeit, hin zur Nachhaltigkeit. Langfristige ökonomische Kriterien, soziale wie ökologische Kriterien sollen darüber entscheiden, ob es einen Bonus gibt oder nicht. Dazu gehören auch Beschäftigungsfragen.

STANDARD: Heißt das: Auszahlung erst nach etwa drei Jahren und nicht mehr jährlich?

Leitsmüller: Anders geht es nicht.

STANDARD: Erarbeiten Sie gerade einen solchen Kennzahlenmix für Österreich - Ministerin Doris Bures kündigte das kürzlich an?

Leitsmüller: Ein System wird nicht für alle Unternehmen in jeder Unternehmensphase taugen. Das eine einzige, fixe Rezept wird es nicht geben können. Die Richtung - wie gesagt - muss aber für alle gelten.

STANDARD: Ist die Arbeiterkammer für eine totale Offenlegung der Einkommen in Österreich?

Leitsmüller: Wir sind für die verpflichtende Offenlegung der Managergehälter und ihrer Bestandteile. Was der Corporate Governance Kodex empfiehlt, ist uns zu wenig und zu weich. DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.02.2009)

Zur Person

Heinz Leitsmüller ist Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der Arbeiterkammer Wien.

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