Neuer erdähnlicher Planet äußerst lebensfeindlich

9. Februar 2009, 13:31
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Corot-Exo-7b ist etwa eindreiviertel Erd-Durchmesser groß und weist seiner Sonne stets die gleiche Seite zu

Wien - Die Entdeckung neuer Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems ist inzwischen keine wirkliche Sensation mehr. Über 330 Stück werden bereits in der Enzyklopädie der extrasolaren Planeten aufgelistet und beinahe monatlich wächst deren Anzahl. In der Regel handelt es sich um Gasriesen, Planeten also, deren Größe jener des Jupiter bisweilen mehrfach übersteigt.

Dass der vor kurzem entdeckte "Corot-Exo-7b" trotzdem für große Aufregung sorgte, liegt an seinen geringen Ausmaßen: mit knapp doppelter Erdgröße handelt es sich bei ihm um den bis dato kleinsten je ausgemachten Exoplaneten. Damit allerdings endet auch schon seine Erdähnlichkeit; neue Untersuchungsergebnisse lassen auf eine ausgesprochen lebensfeindliche Welt schließen.

"Corot-Exo-7b" und seine Sonne "Corot-Exo-7" sind rund 462 Lichtjahre von uns entfernt. Der Planet hat eine extrem kurze Umlaufzeit, was die Erde in 365 Tagen bewältigt, schafft "Corot-Exo-7b" in 21 Stunden. Erdähnlich sei der Himmelskörper auch insofern zu nennen, als es sich vermutlich um einen Steinplaneten handelt, erklärte dazu der beteiligte Wissenschafter Rudolf Dvorak vom Institut für Astronomie der Universität Wien.

Nach den jüngsten Ergebnissen der noch nicht ganz abgeschlossenen Berechnungen hat "Corot-Exo-7b" etwa eindreiviertel Erd-Durchmesser, aber rund die sechsfache Masse unseres Planeten, berichtete Günther Wuchterl von der Thüringer Landessternwarte. Der aus Österreich stammende Astronom nimmt für Deutschland am Projekt "Corot" teil. Der ferne Planet umkreist seinen Stern in einem vergleichsweise kleinen Abstand von 2,5 Millionen Kilometern, bei der Erde ist dieser Abstand 50 Mal größer.

Silikat-Regen

Eine weitere Besonderheit von "Corot-Exo-7b", dessen Entdeckung durch die europäische Weltraum-Sonde "Corot" in der Vorwoche gemeldet wurde, dürfte sein, dass der Planet seiner Sonne stets die gleiche Seite zuwendet, erklärte Dvorak. Auch das legen die bisherigen Berechnungen der Corot-Daten nahe. Wenn die Theorien zutreffen, so hätte es auf der dem Stern zugewandten Seite Temperaturen von bis zu 1.800 Grad Celsius, die Oberfläche wäre mit "kochendem Stein" vergleichbar, wie Wuchterl es ausdrückte. Es könnte sogar sein, dass es auf dem Planeten regnet, allerdings kein Wasser sondern Silikat.

Für Lebewesen erträgliche Temperaturen könnte es theoretisch lediglich in den Übergangszonen zwischen Dauer-Tag- und Nachtseite geben. Dennoch hält es Dvorak für höchst unwahrscheinlich, dass sich auf "Corot-Exo-7b" Leben entwickelt hat. Die Jagd nach echten Erd-ähnlichen Planeten geht daher weiter. "Wir wissen jetzt, dass wir mit 'Corot' auch noch kleinere Himmelskörper finden können", gab sich Wuchterl zuversichtlich.

Bilder - im Sinne von Fotos - liefert die Sonde allerdings keine. Gemessen werden mehr oder weniger regelmäßige, minimale Helligkeitsschwankungen von fernen Sternen, so Dvorak. Diese Schwankungen können nämlich durch sogenannte Transits verursacht werden, wenn aus Sicht eines Beobachters Planeten vor ihren Sternen vorbeiziehen. Nachdem Planeten definitionsgemäß nicht selbst leuchten, verdunkelt sich durch einen Transit der jeweilige Stern auf typische Weise.

Zittern liefert Daten

Ist über "Corot" einmal ein Kandidat ausgemacht, richten sich auch irdische Teleskope auf den Himmelskörper und registrieren jedes noch so leichte "Wobbeln" - also Zittern - des Sterns, verursacht durch die Schwerkraft des umkreisenden Planeten. Aus all diesen Daten lassen sich dann nicht nur Umlaufzeiten, sondern auch Entfernungen, Größen und Massen von fernen Planeten errechnen.

Die europäische Sonde "Corot" wurde Ende 2006 ins All geschossen. Neben der Uni Wien sind auch die Technische Universität (TU) Wien, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Aerospace Austria beteiligt. (APA/red)

  • "Corot-Exo-7b" ist etwa eindreiviertel Erd-Durchmesser groß und umkreist sein Zentralgestirn in einem Abstand von nur 2,5 Millionen Kilometern.
    foto: deutsches zentrum für luft- und raumfahrt /klaudia einhorn

    "Corot-Exo-7b" ist etwa eindreiviertel Erd-Durchmesser groß und umkreist sein Zentralgestirn in einem Abstand von nur 2,5 Millionen Kilometern.

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