Langjähriger Chefredakteur Andi Nowak gestorben

9. Februar 2009, 17:52
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Kropsch bedauert "Verlust eines großen Journalisten" - "Große Betroffenheit" bei Fischer - Ostermayer: "Doyen des Qualitätsjournalismus" - Pröll: "Prägte Journalismus massiv"

Josef A. Nowak (68), Journalisten-Legende und langjähriger Chefredakteur der APA - Austria Presse Agentur, ist am Wochenende an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Medien sowie Politiker quer durch die Parteien reagierten am Montag mit großer Betroffenheit auf das Ableben des Medienmannes. Bundespräsident Heinz Fischer hat die Nachricht "mit großer Betroffenheit" erhalten und brachte in einem Schreiben an die APA seine "große Wertschätzung für den Verstorbenen zum Ausdruck". APA-Geschäftsführer Peter Kropsch bedauerte "den Verlust eines großen Journalisten und Verfechters der Unabhängigkeit", Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (S) würdigte den Verstorbenen als "Doyen des Qualitätsjournalismus" und Vizekanzler Josef Pröll (V) sprach von einer "Persönlichkeit, die den österreichischen Journalismus massiv geprägt hat".

Nowaks journalistische Karriere begann bei der "Neuen Österreichischen Tageszeitung". 1964 wechselte er zum "Volksblatt", 1967 zur "Tiroler Tageszeitung". Der großen Bundesländerzeitung diente er 20 Jahre lang als Wien-Korrespondent sowie als Leiter des Wiener Büros und wirkte dabei vor allem in den Kreisky-Jahren entscheidend mit, der Berichterstattung und Kommentierung in den Bundesländerzeitungen entsprechendes Gewicht zu geben. 1987 übernahm der renommierte innenpolitische Journalist die Funktion des Chefredakteurs in der Austria Presse Agentur.

Nicht nur die APA, sondern auch die "TT" betrauerten den Tod ihres ehemaligen Mitarbeiters. Nowaks "journalistisches Talent, sein Einsatz und sein hohes Berufsethos waren ausschlaggebend dafür, dass die 'Tiroler Tageszeitung' als Bundesländerzeitung in Wien wesentlich an Bedeutung gewonnen hat", so Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der APA ist Andi Nowak "einerseits als journalistischer Vollprofi, andererseits als unerschütterliches Bollwerk im Ringen um eine lückenlose redaktionelle Unabhängigkeit in Erinnerung", sagte APA-Chefredakteur Michael Lang.

Verlautbarungsjournalismus ein Ende gesetzt

Nowaks Verdienste um die APA, die er "zu einer echten, unabhängigen Medienagentur gemacht" habe, lobte auch ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf. Der ehemalige Chefredakteur habe dem Verlautbarungsjournalismus ein Ende gesetzt und sich immer erfolgreich Vereinnahmungen seitens der Regierenden widersetzt, sagte BZÖ-Chef Herbert Scheibner. Grünen-Chefin Eva Glawischnig würdigte Nowak als "großen Journalisten und wichtige Stimme für Demokratie und Medienqualität in unserem Land".

Andi Nowak, wie er in der Branche genannt wurde, leistete in den zehn Jahren seiner Tätigkeit an der Spitze der APA-Redaktion einen entscheidenden Beitrag zur Hebung der journalistischen Qualität der Agentur. Er verstand sich als Garant der im APA-Statut verankerten Unabhängigkeit und Ausgewogenheit und hat dieses Anliegen mit der ihm eigenen Konsequenz und Härte vertreten. "Nowak hat jeden Versuch, diesen Grundwert der Agenturberichterstattung politisch oder wirtschaftlich zu beschneiden, als ganz persönliche Kränkung aufgefasst und entsprechend heftig reagiert, was wiederum den Redaktionen der APA den notwendigen Freiraum zur Erfüllung ihres Grundauftrages geschaffen hat", sagte Lang.

"Pressestunde", "Quergeschrieben"

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Nowak vor allem als kritischer Fragesteller im Pressefoyer nach dem Ministerrat sowie in der Fernseh-"Pressestunde" bekannt. Nach seiner Tätigkeit als APA-Chefredakteur übernahm er auf Wunsch des damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil ehrenamtlich die Funktion eines Pressesprechers im "Wahlbüro Dr. Klestil". Von 1997 bis 1999 verfasste er darüber hinaus für die Tageszeitung "Die Presse" in der Kolumne "Quergeschrieben" eine Reihe von scharfzüngigen Kommentaren.

In der Medienbranche galt der am 20. Dezember 1940 geborene Wiener als hoch geachteter Journalist und "Synonym für Unbestechlichkeit, hervorgegangen aus der Schwerkraft seines großen Eigensinns". Seine bürgerlichen und konservativen Wertehaltungen waren das "Fundament für seinen unabhängigen Journalismus", wie es ein langjähriger Wegbegleiter bei der Verleihung des Professorentitels an Nowak einst formulierte. Nowak selbst bezeichnete sich als "Bildungsbürger" und stand für seriösen, kompetenten und Fakten-bezogenen Journalismus, der nicht einer beliebigen Super-Exklusivität hinterher hechelte. Und er verfügte über das, was guten Journalismus ausmacht: Konfliktbereitschaft und Konfliktfähigkeit.  (APA)

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    Josef A. Nowak (68), langjähirger Chefredakteur der APA, ist am Wochenende an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

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