Hoffen auf Raich

8. Februar 2009, 13:01
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Pitztaler: "Lass mich nicht in Retterrolle drängen" - Extrem junges ÖSV-Team soll am Montag die erste Herren-Medaille einfahren

Val d'Isere - Ausgerechnet das im Schnitt nur 23 Jahre alte ÖSV-Quartett für die Super-Kombination soll am Montag in Val d'Isere für das noch medaillenlose rot-weiß-rote Herren die Kohlen aus dem Feuer holen. Die Hoffnungen auf die erste Medaille ruhen mit voller Last auf den Schultern von Benjamin Raich (30), der neben den drei weiteren ÖSV-Startern Romed Baumann (23), Marcel Hirscher (19) und Bernhard Graf (20) den Team-Opa spielt. Für Hirscher und Graf wird der Bewerb das WM-Debüt darstellen.

Herrenchef Toni Giger betonte, dass "das jüngste Team seit langer Zeit" für Österreich bei einem Großereignis am Start stehen wird. "Ich bin stolz, dass wir so gute junge Läufer haben", meinte der in Val d'Isere mit seiner Truppe noch nicht von Glück und Erfolg verwöhnte Salzburger.

Dass Österreichs Herren nach der ersten WM-Woche noch ohne Medaille dastehen, will Raich in der Kombi "nicht im Hinterkopf haben". "Ich hoffe, dass ich eine Medaille mache. Aber der Gedanke, dass ich die Ski-Nation retten soll, ist sicher weder richtig noch förderlich. In die Retterrolle lass ich mich nicht drängen", erklärte der Tiroler, der in der Kombi bei Großereignissen schon Gold (WM 2005), Silber (WM 2007) und Bronze (Olympia 2002) gewonnen hat.

"Das wird sicher ein harter Tag, aber ich werde alles geben", weiß Raich vor Abfahrt (10.00 Uhr) und Slalom (14.00 Uhr). Dass die Kombi im Laufe der Jahre an Ansehen verloren hat, kann der Pitztaler nicht nachvollziehen. "Oft wird dargestellt, dass man in der Kombi so leicht eine Medaille holen kann. Aber wer hier gewinnt, ist einfach der kompletteste Skifahrer", so Raich, der auch in Erinnerung rief, dass der einzige wirkliche Hahnenkamm-Sieger von Kitzbühel jener in der Kombi ist.

Raichs erste Herausforderer dürften Lokalmatador Jean-Baptiste Grange (FRA), Bode Miller (USA), Carlo Janka (SUI) und Aksel Lund Svindal (NOR) sein, Ivica Kostelic (CRO) musste wegen seiner Rückenverletzung absagen. Zum Kreis der gefährlichen Außenseiter dürfen sich auf Baumann und Hirscher zählen.

Der Tiroler Baumann hat sein bisher einziges Podestergebnis im Weltcup 2006 bei der Kombi auf der Reiteralm eingefahren. "Die Kombi ist eindeutig jene Disziplin, in der ich die größten Medaillenchancen habe. Ich bin sehr optimistisch und würde sagen, dass ich meine Chancen habe", glaubte der Tiroler, der in Aare WM-Kombi-Siebenter war und seinen Schlüssel zum Erfolg vor allem in einer soliden Slalom-Leistung sieht.

Dass Hirscher in Val d'Isere überhaupt an den Start gehen darf, daran hätte er laut eigenen Angaben vor drei, vier Monaten nicht einmal zu denken gewagt. "Ich habe diesen Gedanken immer weggeschoben und mir gesagt, dass es sich vielleicht irgendwann ergeben könnte." Nun ist der 19-Jährige in Super-Kombi und Slalom dabei und will vor allem "viel lernen und Erfahrung sammeln".

Doch auch ein Youngster wie Hirscher weiß, dass bei einer WM eigentlich nur die Top-3, also die Medaillenränge zählen. "Aber ich befinde mich natürlich in der Außenseiterrolle." Dass er bei entsprechendem Verlauf auch in der Super-Kombi ganz vorne mitmischen kann, zeigte sein dritter Rang im Dezember - in Val d'Isere. Damals hatte Raich bei der WM-Generalprobe vor Grange und Hirscher triumphiert.

Ein fast gänzlich unbeschriebenes Blatt ist Graf, neben Hirscher am Montag der zweite Debütant im ÖSV-Team. Die WM-Nominierung sei für den Vorarlberger "sehr überraschend" gekommen. "Es ist ein großartiges Gefühl, ich bin sehr stolz, dass ich im stärksten Team der Welt mitfahren darf", erklärte der 20-Jährige, dessen Vorbilder Hermann Maier und Motorrad-Ass Valentino Rossi sind. Eine bestimmte Platzierung hat sich Graf nicht vorgenommen. "Ich will einfach meine Stärken abrufen und vielleicht überraschen." (APA)

 

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