"Causa Walchhofer" erzürnte ÖSV-Spitze

7. Februar 2009, 19:50
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Pum bezeichnete technischen Delegierten als "Schauspieler" - Giger: "Sehr hohes Risiko für nichts"

Val d'Isere - Die Annullierung der Wiederholungsfahrt von Michael Walchhofer am Sonntag in der WM-Abfahrt von Val d'Isere hat das österreichische Team schwer erzürnt. Bei der allabendlichen Mannschaftsführersitzung entflammte eine hitzige Debatte zwischen der Rennjury und der ÖSV-Spitze. Alpinchef Hans Pum bezeichnete Jan Erik Hedström, den technischen Delegierten des Rennens, als "Schauspieler" und meinte weiter in Richtung des Schweden: "Ich hoffe, dass du in Zukunft nicht mehr viele Chancen erhalten wirst, so eine Position auszuüben."

Herrenchef Toni Giger war vor allem sauer, weil Walchhofer dadurch "für nichts ein sehr hohes Risiko" eingegangen sei. Noch dazu stieß dem Salzburger übel auf, "wie klar und mir nichts dir nichts die Jury diese Entscheidung getroffen habe". "Da frage ich mich schon, wie weit diese Leute von den Rennläufern weg sind. Diese Leute haben keine Ahnung, was das bedeutet.

Walchhofer selbst, der innerhalb von nicht einmal einer Stunde zweimal über die extrem selektive Bellevarde-Piste raste, versuchte gute Miene zum riskanten Spiel zu machen und meinte nur: "Es wäre eine schöne Anerkennung meiner Leistung gewesen, wenn mein Wiederholungslauf gewertet worden wäre." Walchhofer wäre bei Wertung der zweiten Fahrt Neunter geworden, so belegte er Rang zwölf.

Kurios wird das Theater vor allem deshalb, weil die Jury diese Eskalation in Kauf genommen hat, obwohl Walchhofer keine Rolle im Medaillenrennen gespielt und keine Nation Protest gegen den zweiten Start eingelegt hat.

Die Schuld an den chaotischen Umständen rund um Walchhofer nahm Renndirektor Günter Hujara auf sich. Sein Funkspruch, dass es vor der Fahrt von Walchhofer zu einem Start-Stopp kommen soll, konnte nicht gehört werden, da gleichzeitig ein weiterer Funkspruch getätigt wurde. Hujaras Fehler war, dass er sich nicht noch einmal vergewissert hat, ob sein Befehl zum Start-Stopp auch verstanden worden ist.

"Ja, ich hätte nachfragen müssen, ich habe in diesem Fall einen Fehler begangen", so Hujara. Aus diesem Grund ließ der Start-Schiedsrichter Walchhofer trotz Start-Stopps ins Rennen. Giger beantragte daraufhin einen sogenannten Re-Run, also eine Wiederholungsfahrt, und die Jury stimmte dem mit einer provisorischen Genehmigung zu.

Dass die Berechtigung des zweiten Laufs im Nachhinein aberkannt worden ist, begründete die Jury damit, dass erst nach dem Rennen alle Fakten auf den Tisch gelegt werden konnten. Ausschlaggebend für die Jury, der dann Hujara aufgrund der direkten Beteiligung in diesem Fall nicht mehr angehörte, war, dass Walchhofer bei seiner ersten Fahrt punkto Wetterbedingungen nicht beeinträchtigt war. Wirklich brisant wäre der Fall aber erst geworden, hätte Walchhofer durch seinen Re-Run noch eine Medaille gewonnen. (APA)

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