Ein Zeichen wie ein Wink

6. Februar 2009, 17:59
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Im 9. Jahrhundert begann man, Noten in sogenannten Neumen aufzuschreiben - Diese Symbole waren noch ganz anders als die moderne Notenschrift

Frage: Was sind Neumen?

Antwort: Neumen sind die Vorfahren der heutigen
Notenzeichen. Man hat sie aber noch nicht zwischen fünf Linien platziert, wie es bei der heute üblichen Notenschrift gemacht wird. Sie sind im Prinzip Punkte, Striche, Hakerl und Bögen. Diese Zeichen haben ungefähr angezeigt, wie die Töne verlaufen. Zunächst hat man die Zeichen auf gedachte Linien geschrieben, später wurden auch ein bis zwei Linien (in gelber und in roter Farbe für bestimmte Tonhöhen) dazugezeichnet. Dann hat sich auch besser der Abstand zwischen den Tönen darstellen lassen. Aber die Tonlänge konnte mit dieser Notenschrift noch nicht genau angegeben werden.

Frage: Wann hat man Noten in Neumen aufgeschrieben?

Antwort: Die ältesten Belege für diese Art der Notenschrift stammen aus dem 8. Jahrhundert. Die Neumen dürften sich ursprünglich aus griechischen Buchstaben heraus entwickelt haben. Die Zeichen sind ein paar Jahrhunderte später auch in abgeänderter Form zum Aufschreiben sogenannter Choräle - das war damals die Kirchenmusik - verwendet worden. Gelegentlich hat man auch weltliche Melodien abseits der Kirchenmusik damit aufgeschrieben.

Frage: Warum heißen Neumen Neumen?

Antwort: Für den Begriff gibt es zwei Herleitungen. Entweder stammt das Wort vom griechischen Wort für Wink. Es gibt nämlich die Theorie, dass damit das Dirigieren des Chorleiters angedeutet wurde, also seine Bewegungen mit Neumen nachgezeichnet wurden. Belege dafür, dass das stimmt, existieren aber keine. Oder aber, man glaubt der Theorie, dass es von einem ähnlichen Wort aus dem Griechischen kommt, das übersetzt Atem, Hauch oder Geist bedeutet.

Frage: Ab wann gab es mehr Notenlinien?

Antwort: Ein Italiener namens Guido von Arezzo, der um 1000 nach Christus als Benediktinermönch, Musiktheoretiker und Lehrer lebte, hat vier Notenlinien eingeführt. Die fünfte Linie ist erst deutlich später, nämlich im 16. Jahrhundert, in Frankreich entstanden. Allerdings waren bis ins darauffolgende Jahrhundert noch verschiedene Schreibweisen üblich. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2009)

Die nächste Ö1-Kinderuni am Sonntag um 17.10 Uhr widmet sich dem Thema "Wie kommen die Farben in unsere Welt? Von Lichtbrechung, Sonnenstrahlen und Abendrot". Am Freitag im Standard.

 

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