Oppositionsrolle im Fürstentum unbeliebt

5. Februar 2009, 17:52
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Wahlen in Liechtenstein - Fürstenhaus wünscht sich wieder große Koalition

Die Liechtensteiner Wähler gelten als wenig beweglich. Rund 70 Prozent zeigen "familiär geprägtes traditionelles Wahlverhalten" , sagt der Politologe Wilfried Marxer.

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Vaduz - In schwierigen Zeiten wie diesen wünsche sich das Volk eine große Koalition, ließ Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein dieWählerschaft via Volksblatt wissen. Ob dem tatsächlich so ist, wird sich an diesem Wochenende zeigen. 18.600 Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner sind zur Wahl des Landtags, wie man in der konstitutionellen Erbmonarchie das Parlament nennt, stimmberechtigt.

Seit Monaten preisen Volksblatt und Vaterland, die beiden Tages- und Parteizeitungen, ihre Spitzenkandidaten und die große Koalition an. Otmar Hasler (55), Regierungschef seit 2001, will mit seiner Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP) in die dritte Regierungsperiode gehen, sein Stellvertreter, der 41-jährige Jurist Klaus Tschütscher, und die Vaterländische Union (VU) stellen ebenfalls den Führungsanspruch. Beide Parteien sind christdemokratisch und fürstentreu, ideologische Unterschiede sind nicht erkennbar. Gemeinsam regieren wollen FBP und VU auch nach dieser Wahl.

Die große Koalition hat seit 1939 Tradition, Alleinregierungen gab es nur in zwei Perioden: 1997 bis 2001 regierte die VU, 2001 bis 2005 die FBP. Die FBP hält mit 48,7 Prozent 12 der 25 Mandate, die VU mit 38,2 Prozent zehn. Drei Mandate hat die Freie Liste, die erstmals seit ihrer Gründung 1985 in die Regierung möchte. An einer kleinen Koalition mit der "sozial demokratisch ökologischen Liste" (Eigendefinition), die auch heiße politische Themen wie die Allmacht des Fürsten aufgreift und Kritik am Finanzplatz übt, ist aber keine der Großparteien interessiert. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2009)

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