Strafanzeige gegen Kohn und Bank Medici

5. Februar 2009, 16:41
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Laut Medienberichten handelt es sich es in Österreich um die erste Strafanzeige in der Betrugsaffäre um Bernard Madoff

Wien - Diese Woche wurde die angeschlagene Wiener Bank Medici und deren Mehrheitseigentümerin Sonja Kohn bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen des Madoff-Skandals angezeigt, berichtet das "Format" laut Vorabmeldung in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe. Dabei handle sich es in Österreich um die erste Strafanzeige in der Betrugsaffäre um Bernard Madoff. Die Bank Medici bestätigte den Erhalt der Anzeige am Donnerstagnachmittag in einer Aussendung. Die Depotbank des kleinen Geldhauses, HSBC, werde demnächst einen zweistelligen Millionenbetrag an 22 Medici-Kunden und Anleger zurückzahlen, die im Begriff waren Geld in "Herald"-Fonds zu investieren.

In der Sachverhaltsdarstellung vom 3. Februar wird laut "Format" die Verletzung der Paragrafen 146 ("Betrug") und 153 ("Untreue") des Strafgesetzbuches beanstandet. Die Vorwürfe werden gegen Kohn und vier weitere Personen erhoben. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung. Eingebracht worden sei die zwölf Seiten starke Strafanzeige vom Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky im Auftrag von Medici-Kunden, die in Madoff-Fonds investiert hatten. Derzeit vertrete der Jurist sechs Bank-Medici-Privatkunden aus Israel, Russland und der Ukraine, die gemeinsam rund 80 Mio. Euro verloren haben.

"Sonja Kohn benutzte die Bank Medici als einen Nobelvertrieb für die Madoff-Schein-Fonds", heißt es in der Strafanzeige laut Magazin. "Sie beschaffte Anleger für Bernard Madoff, die großes Vertrauen in sie setzten, wobei sie denen nie mitgeteilt hatte, dass ihre Gelder an Madoff flossen. Mit ihren reichen Kunden war sie in Europa die Geld-Pipeline zu dem Schneeballsystem von Bernard Madoff", stehe in dem Papier des Rechtsvertreters.

"Mündelsicher"

"Die Fonds wurden den Anlegern von Sonja Kohn als Low Risk Fonds und absolut 'mündelsicher' verkauft. (...) Sie wurden ebenso wenig über den Umstand aufgeklärt, dass Investitionen ausschließlich für institutionelle Anleger vorgenommen werden können und daher die einzelnen Anleger nicht direkt Anteilseigner der Fonds geworden sind, sondern die Bank Medici als Anteilseigner in den Fonds registriert wurde", heißt es laut "Format" in dem Schreiben weiter. Diese Konstruktion verhindere, dass Lanskys Klienten direkte Ansprüche gegen die Madoff-Fonds geltend machen können.

Auch die Provisionen von Sonja Kohn bekommen den geprellten Anlegern nicht. In der Anzeige heißt es dazu dem "Format" zufolge: "Sonja Kohn gab den Anlegern ebenso wenig bekannt, dass der Investmentmanager des Fonds Herald USA, die 'Herald Asset Management Ltd.' mit Sitz auf den Cayman Islands, sich zu 100 Prozent in ihrem Eigentum befindet und sie daher nicht nur Provisionen für den Abschluss der Fondsbeteiligungen erhielt, sondern darüber hinaus auch jährlich zwei Prozent Managementgebühr sowie zehn Prozent Performancegebühr für sich selbst über dieses Investmentvehikel einnahm. Mit dem Vertrieb der Madoff-Fonds kassierte Kohn jährlich 50 Millionen Dollar. Ihre Provisionen flossen überwiegend in die Schweiz."

Der Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer engagiert sich laut "Format" ebenfalls in der Causa Medici und ist nun dabei, prominente Bankaufsichtsräte wie Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina mit Klagen einzudecken. Der ehemalige SP-Politiker sitzt auch im Aufsichtsrat der Bank Medici und hatte mehrmals betont, sich wegen Madoff keiner Schuld bewusst zu sein.

22 Anleger, die über die Bank Medici in den Fonds "Herald Lux" investieren wollten, dürfte demnächst ihr Geld zurückbekommen. Laut dem kleinen Finanzinstitut handelt es sich dabei um Gelder, die bis zum 15. Dezember 2008 in den "Herald Lux" investiert werden sollten, mit denen aber tatsächlich keine Fondsanteile gezeichnet wurden. Dies sei von der Depotbank HSBC Securities Services (Luxemburg) SA gestern bestätigt worden. Die HSBC habe die Gelder im Dezember erhalten, bis dato aber nicht herausgegeben. Für den neuen Bank-Medici-Vorstand John Holliwell ist das "nicht akzeptabel", die Bank habe gemeinsam mit dem Fonds "in den vergangenen Wochen Druck ausgeübt". (APA)

 

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