Ein "Memento mori" auf Tourenskiern

5. Februar 2009, 12:14
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Alexander Lugger, Trainer des österreichischen Skibergsteiger-Nationalteams - und Bergretter

Frage: Herr Lugger, was ist schöner: raufgehen oder runterfahren?

Antwort: Das Runterfahren. Denn ich bin noch ein Skifahrer vom alten Schlag. Und ich sehe, dass die Jungen, die nur Carvingtechniken gelernt haben, sich beim Geländefahren oft schwer tun. Aber natürlich zählt beides. Deshalb glaube ich auch, dass es keinen Sport gibt, bei dem man Natur so unmittelbar erlebt wie beim Tourengehen.

Aber das bedeutet, dass man sich trotz Wettbewerb und trotz der Schönheit der Natur bewusst sein muss, dass es ein Restrisiko gibt. Darum ist jeder Wettkämpfer immer mit einer kompletten Sicherheitsausrüstung unterwegs: Pieps, Schaufel und Sonde. Das ist kein Spiel: Es gab, trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, 2005 ein Rennen, bei dem eine Lawine abgegangen ist. Es gab Verschüttete - aber da wir alle umfassend geschult sind, ging das glimpflich aus.

Mindestens so wichtig wie die Lawinenausbildung ist, dass Tourengeher lernen, wie man die Rundum-Verhältnisse richtig bewertet. Man muss wissen, wann man Nein sagt. Oder umkehrt: Wenn ich heute nicht gehe, sind der Berg und die Herausforderung morgen noch da.

Frage: Wie lernt man umkehren, wenn alle anderen weiterrennen? Noch dazu knapp vor dem Gipfel?

Antwort: Etwa, indem man bei der Bergrettung mitarbeitet. Da sieht man nämlich ständig , wie rasch blinder Ehrgeiz oder Gruppendruck zu Katastrophen führen können: Keiner von uns ist unsterblich, unverwundbar oder unbesiegbar. Das gilt auch abseits vom Sport: Sich neben einer Herausforderung auch der sozialen Verantwortung zu stellen ist die allerbeste Methode, nicht abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.01.2009)

Zur Person

Alexander Lugger (40) ist Zollbeamter, Trainer des österreichischen Skibergsteiger-Nationalteams - und Bergretter

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askimo.at

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