Pro: Miteinander leben lernen

4. Februar 2009, 19:32
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Der Staat hat auch die Freiheit von Religion sicherzustellen, für die, die das wollen - Von Lisa Nimmervoll

Religionsfreiheit ist ein hohes, schützenswertes Gut - das in Österreich aber nicht ansatzweise gefährdet ist. Im Gegenteil. Denn vom politischen Einfluss der bestens vernetzten katholischen Kirche profitieren auch alle anderen Glaubensgemeinschaften. Sie müssen sich vor einem verpflichtenden Ethikunterricht für alle Kinder nicht fürchten. Niemand denkt an eine Abschaffung des Religionsunterrichts. Wer will, soll sich gern auch künftig in staatlich kontrolliertem Unterricht in seiner Religion unterweisen lassen. Es ist dies die Freiheit zur Religion, die der säkulare Staat jedem zugesteht. Er hat aber auch die Freiheit von Religion sicherzustellen, für die, die das wollen.
Ethikunterricht ist nicht die religionsfreie Version des Religionsunterrichts für Atheisten, Agnostiker oder Andersgläubige. Von diesen gibt es in einer zunehmend säkularen Gesellschaft immer mehr. Zugleich wird die Zuwanderungsgesellschaft multireligiöser und -kultureller. Wer da abgekapselte Parallelwelten - zu Recht - kritisiert, darf nicht in der Schule Parallelglaubenswelten institutionalisieren.

Die Schule braucht einen Säkularisierungsschub. Sie ist ein zentraler Integrationsort und muss unterschiedliche soziale Milieus, kulturelle Hintergründe und religiöse Weltanschauungen integrieren und miteinander konfrontieren. Wo, wenn nicht in einem Klassenzimmer, sollen Jugendliche über das Leben, unterschiedliche Wertanschauungen und die großen Fragen nach gut oder böse, gerecht oder ungerecht diskutieren und streiten? Es ist vielleicht der letzte verbindliche Ort für alle, wo sie miteinander statt nebeneinander leben. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 5. Feber 2009)

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