Gefährliche Lager im Spital

3. Februar 2009, 20:46
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Im Krankenhaus Lainz haben sich Firmen angesiedelt, die eigentlich gar nicht dort sein dürften

Wien - Ein Bäcker oder ein Kaffeehaus im Krankenhausgelände - nichts Ungewöhnliches. Doch ein Installateurs-, Elektriker- und Spenglereibetrieb im Spital kommt doch nicht alle Tage vor. Zumal es für die Betriebe keine vertragliche Regelung gibt und sie in Räumen untergebracht sind, die gar nicht als Werkstätte oder Büro gewidmet sind.

Entdeckt und beanstandet wurden die Betriebe im Krankenhaus Hietzing, vormals Lainz, von den Prüfern des Wiener Kontrollamts. Denn nicht nur, dass die Firmen in widmungsfremden Räumlichkeiten untergebracht waren. Sie missachteten laut Kontrollamtsbericht elementare Sicherheitsvorkehrungen. So stellte man beispielsweise im „Operationsbunker" fest, dass der Großteil des Dachbodens - an die 300 Quadratmeter groß - von einer Spenglerfirma als Lager für Bleche, Rohre und Schalungsmaterial sowie als Spenglerwerkstätte samt Maschinen, Küche, Sozialräumen und einer Toilette genutzt wurde. Besonders gefährlich: Elektrische Heizgeräte wurden in Vollbetrieb verwendet. Zwei Flüssiggasflaschen ließen zudem darauf schließen, dass auf dem Dachboden trotz des fehlenden Brandschutzes mit offener Gasflamme hantiert wurde. Eine Brandmeldeanlage gab es nicht, und auch die Feuerlöscher waren seit Jahren nicht auf ihre Funktionsweise überprüft worden.

Lager während Bauarbeiten

Susanne Herbek, Spitäler-Direktorin des Krankenanstaltenverbunds (KAV), hat für all das eine Erklärung: „Wir stellen den Firmen im Laufe des Auftrags Räume zur Verfügung." Das erklärt aber nicht die Feststellung des Kontrollamts, wonach „die Raumverbände hinsichtlich ihrer Ausdehnung und ihrer Nutzung den Charakter von gewerblichen Betriebsstätten erreichten". Als die Prüfer ihren Kontrollgang machten, hatte die Spenglerei außerdem gar keinen Spitalsauftrag.

Ähnliches fanden die Kontrollore auch im Küchengebäude, wo sich eine Installationsfirma angesiedelt hatte, sowie in den Pavillions III bis V, in denen Kellerräume von einer Elektrofirma genutzt wurden. Manche Betriebe, wie die Installationsfirma, seien seit vielen Jahren dauerhaft dort, damit die Arbeiter auf Abruf zur Verfügung stehen können, argumentiert Herbek. Der KAV ließ nach der Kritik einige Lagerflächen räumen, zudem auch einen Raum, der nur durch ein Archiv zugänglich ist, wo Patientenakten aufbewahrt werden. Die höhere Ebene wusste vor der Prüfung angeblich nichts von der anderen Nutzung: „Das war Aufgabe des technischen Direktors", sagt Herbek. Dieser wurde beurlaubt und geht im April in Pension.

Die Kontrollinstanz beanstandete auch die Vergabekriterien des KAV. So wurden teure EDV-Anlagen angeschafft, ohne Vergleichsangebote einzuholen. Die Oppositionsparteien ÖVP und Grüne goutieren das nicht. VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec wirft der SP-Stadtregierung einen „schlampigen Umgang mit Steuergeld" vor. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

  • Im Krankenhaus Hietzing findet sich oftmals ein Lagerplatz, wo keiner sein sollte (im Bild Pavillion V). Das Wiener Kontrollamt kritisierte. Erst dann räumte die zuständige Verwaltung
    der standard/christian fischer

    Im Krankenhaus Hietzing findet sich oftmals ein Lagerplatz, wo keiner sein sollte (im Bild Pavillion V). Das Wiener Kontrollamt kritisierte. Erst dann räumte die zuständige Verwaltung

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