"Es ist ein Teufelskreis"

3. Februar 2009, 18:36
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Wien - Es sei schwierig, nein zu sagen, er könne langjährige Kunden nicht im Regen stehen lassen, viele seien unverschuldet in die Bredouille geraten, seufzt Backaldrin-Chef Peter Augendopler. Der Kornspitz-Erfinder liefert gut 80 Prozent seiner Backmischung ins Ausland. Etliche seiner Abnehmer im Osten hätten ihre Expansion fremdfinanziert. - durch die restriktive Kreditvergabe gehe ihnen das Geld aus.

Kreditlinien seien gekürzt worden, Überziehungen würden nicht toleriert. Viele Betriebe wichen daher auf Lieferantenkredite aus und versuchten, ihre Zahlungsziele zu verlängern, sagt Augendopler. "Es gibt halt Grenzen, auch wir müssen unsere Rechnungen bezahlen."

Er spüre die Kreditklemme am eigenen Leibe, bestätigt Heinz Hofmann, Linzer Bäcker und Bundesinnungsmeister. Die Banken achteten mehr denn je auf Sicherheiten. Das treffe seine ohnehin schon eigenkapitalschwache Branche doppelt hart. Für die Maschinenparks seien laufend riesige Investitionen notwendig, ebenso für die Filialexpansion. Folge sei, dass Fabriksgebäude finanziell belastet und neue Investitionen verschoben würden.

"Derzeit geht überhaupt nichts mehr, der Markt ist tot"  sagt Hans Michael Offner, Kärntner Holzindustrieller und Sägeindustrie-Verbandschef. Das Problem seien weniger knappe Kredite, Investitionen seien ohnehin zurückgestellt worden. Die Crux liege bei den Kreditversicherern, die die Kreditlinien der Kunden drastisch reduziert hätten. Das behindere die Geschäfte. Es könne nicht sein, dass nur Sparschweine versichert würden.

Mehr staatliche Haftungen

Offner fordert die Hilfe des Staates in Form zusätzlicher Haftungen ein. Die bestehenden Ausfallhaftungen der Kontrollbank seien für das alltägliche Holzgeschäft zu aufwendig und kompliziert.

Rudolf Jurak, Mehrheitseigentümer des Edelstahl-Erzeugers Breitenfeld AG, zieht seine Investition von 54 Mio. Euro durch und startet im April im Mürztal ein neues Stahlwerk. Die Aufträge gingen jedoch auch bei ihm zurück, sagt er. Viele Kunden seien trotz guter Bonität nicht in der Lage, Projekte zu finanzieren. Er habe seine Produktion daher von sieben auf fünf Tage die Woche zurück gefahren.

Geschäftsbeziehungen litten unter dem schwindenden Vertrauen, erzählt Jochen Pildner-Steinburg, Chef des Anlagenbauers GAW und steirischer Industrie-Präsident. Da mache man mit Kunden über Jahre gute Geschäfte und müsse dann auf einmal dreifache Sicherheiten fordern. Er könne Banken und Versicherern ihre Zurückhaltung aber nicht verdenken. Märkte brechen weg, Bonität schwinde, viele KMU könnten keine gesunde Bilanz vorweisen, Sparer zögenEinlagen ab. "Es ist ein Teufelskreis."

Ernst Mayr, Chef des Modehändlers Fussl, sieht trotz steigender finanzieller Hürden auch Positives: "Viele Mitbewerber schrauben ihr Wachstum zurück, und wir erhalten mehr Expansionsangebote." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2009)

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