Italien: Ärzte sollen illegale Immigranten melden

3. Februar 2009, 14:08
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Mediziner sollen gezwungen werden, Zuwanderer zu melden - Kritiker befürchten, dass Menschen aus Angst nicht mehr zum Arzt gehen

Rom - Der Verband "Ärzte ohne Grenzen" protestiert gegen einen Gesetzesentwurf der Regierung Berlusconi, der medizinisches Personal zwingen könnte, Daten von illegalen Migranten an Behörden weiterzugeben. Das neue Gesetz hätte schwerwiegende Auswirkungen auf deren Zugang zur Gesundheitsversorgung, kritisierte Antonio Virgilio, Einsatzleiter von "Ärzte ohne Grenzen" in Italien.

Angst vorm Arzt

Das Risiko, bei den Behörden gemeldet zu werden, wenn man medizinische Versorgung in Anspruch nimmt, könnte Angst bei den undokumentierten Migranten auslösen und sie davon abhalten, medizinische Hilfe zu suchen. Das würde nicht nur das Anrecht auf universellen Zugang zu medizinischer Versorgung verletzen, betonten die Kritiker. "Falls diese Menschen zögern, medizinische Betreuung in den Anfangsstadien einer Krankheit zu suchen, könnte das zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen Lage für sie und auch für die breite Öffentlichkeit führen", so Virgilio.

"Ärzte ohne Grenzen" hat auch das italienische Gesundheitspersonal und die Zivilgesellschaft dazu aufgefordert, an den Senat zu appellieren, gegen den Gesetzesentwurf zu stimmen.

Die Organisation leistet in Italien seit 2003 medizinische Hilfe für Migranten. Seit Beginn der Aktivitäten betreibt "Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit dem nationalen Gesundheitssystem 35 Gesundheitseinrichtungen für undokumentierte Migranten und hat bisher 18.000 Patienten behandelt. (APA)

 

 

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